Spaced Repetition & Karteikarten: Die effektivste Lernmethode nach der Wissenschaft

Wie du mit verteiltem Lernen 50 % mehr behältst – und wie Athenify dich dabei unterstützt

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Lukas von Hohnhorst
4. Januar 2026 · 9 Min. Lesezeit
TL;DR
Spaced Repetition nutzt die Vergessenskurve – wiederhole kurz bevor du vergisst, um das Wissen langfristig zu verankern. Das Leitner-System mit 5 Boxen ist die einfachste Umsetzung: Box 1 täglich, Box 5 monatlich. Optimale Intervalle: 1, 3, 7, 14, 30 Tage. Kombiniere Karteikarten mit Pomodoro-Sessions und tracke deine Lernzeit für maximale Effizienz.

Du hast stundenlang gelernt. In der Prüfung letzte Woche konntest du alles. Aber heute, drei Wochen später? Weg. Als hättest du nie etwas gewusst.

Das ist die Vergessenskurve in Aktion – und sie ist gnadenlos. Ohne Wiederholung vergessen wir 80 % des Gelernten innerhalb eines Monats. Die gute Nachricht: Es gibt eine Methode, die diese Kurve austrickst.

3D-Karteikarten in verschiedenen Farben für Spaced Repetition und Leitner-System

Spaced Repetition ist keine Lernmethode unter vielen. Sie ist die wissenschaftlich am besten belegte Technik für langfristiges Behalten.
50 %
mehr Retention durch Spaced Repetition im Vergleich zu geballtem Lernen

Was ist Spaced Repetition?

SRS
ℹ️Das Prinzip
Wiederhole, bevor du vergisst. Jede erfolgreiche Wiederholung verlängert das Intervall bis zur nächsten. So wandert Wissen vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis – mit minimalem Aufwand.

Die Geschichte

1885 führte der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus die ersten systematischen Gedächtnisexperimente durch. Er entdeckte:

  1. Die Vergessenskurve: Ohne Wiederholung vergessen wir exponentiell schnell
  2. Der Spacing-Effekt: Verteilte Wiederholungen sind effektiver als geballtes Lernen
  3. Die Ersparnis beim Wieder-Lernen: Vergessenes wieder zu lernen geht schneller als Neues

Diese Erkenntnisse sind die Grundlage von Spaced Repetition – über 130 Jahre später immer noch gültig.


Die Wissenschaft: Warum Spaced Repetition funktioniert

1. Die Vergessenskurve überlisten

Ohne Wiederholung sieht dein Gedächtnisverlauf so aus:

Zeit nach dem LernenNoch erinnert
20 Minuten~60 %
1 Tag~35 %
1 Woche~20 %
1 Monat~15 %

Jede Wiederholung „resettet" die Kurve – aber mit einem flacheren Verlauf. Nach 4–5 Wiederholungen bleibt das Wissen dauerhaft.

80 %
vergessen wir ohne Wiederholung innerhalb eines Monats

2. Der Testing Effect

Sich selbst zu testen ist effektiver als passives Lesen. Dieser „Testing Effect" ist einer der robustesten Befunde der Lernpsychologie:

  • Passives Lesen: Du erkennst den Stoff wieder, kannst ihn aber nicht abrufen
  • Aktives Abrufen: Du stärkst die neuronalen Pfade, die das Wissen abrufbar machen

Karteikarten zwingen dich zum aktiven Abrufen – das macht sie so effektiv.

3. Der Spacing Effect

Dunlosky et al. (2013) analysierten 10 populäre Lernstrategien. Ihr Ergebnis: Verteiltes Üben (Spacing) und Selbsttest (Retrieval Practice) sind die beiden effektivsten Methoden. Markieren, Zusammenfassen und Wieder-Lesen? Weitgehend nutzlos.

3 × 20 Minuten über 3 Tage schlägt 1 × 60 Minuten an einem Tag – jedes Mal.

Das Leitner-System: Spaced Repetition für Anfänger

Das Leitner-System ist die einfachste Umsetzung von Spaced Repetition. Du brauchst nur: Karteikarten und 5 Boxen (oder 5 Stapel).

So funktioniert es

BoxWiederholungs-IntervallBeschreibung
Box 1Jeden TagNeue Karten + Karten, die du falsch beantwortet hast
Box 2Alle 2 TageKarten, die du 1× richtig beantwortet hast
Box 3Alle 4 TageKarten, die du 2× richtig beantwortet hast
Box 4Alle 8 TageKarten, die du 3× richtig beantwortet hast
Box 5Alle 14–30 TageKarten, die du gut beherrschst
💡Die Regeln
Richtig beantwortet: Karte wandert eine Box weiter (z. B. Box 2 → Box 3)
Falsch beantwortet: Karte geht zurück nach Box 1
Neue Karten: Starten immer in Box 1

Beispiel-Workflow

Tag 1:

  • 20 neue Karten → Box 1
  • Box 1 durcharbeiten

Tag 2:

  • Box 1 durcharbeiten (inkl. neue Karten)
  • Box 2 durcharbeiten

Tag 3:

  • Box 1 durcharbeiten
  • (Box 2 hat Pause)

Tag 4:

  • Box 1, Box 2, Box 3 durcharbeiten

Und so weiter. Das System reguliert sich selbst: Schwierige Karten siehst du öfter, leichte seltener.


Optimale Wiederholungsintervalle

Die Forschung zeigt: Es gibt optimale Intervalle, abhängig davon, wie lange du das Wissen behalten willst.

1, 3, 7, 14, 30
Tage – die klassischen Intervalle für langfristiges Behalten

Faustregel für verschiedene Zeiträume

ZielIntervalle
Prüfung in 1 Woche1, 2, 4, 7 Tage
Prüfung in 1 Monat1, 3, 7, 14, 28 Tage
Langzeitwissen1, 3, 7, 21, 60, 180 Tage
⚠️Häufiger Fehler
Viele wiederholen zu früh. Wenn du eine Karte mühelos beantworten kannst, war das Intervall zu kurz. Ein gewisses „Ringen" beim Erinnern ist gut – es stärkt das Gedächtnis.

Karteikarten richtig erstellen

Nicht alle Karteikarten sind gleich effektiv. Hier sind die Prinzipien für gute Karten:

1. Eine Frage pro Karte

Schlecht:

Vorderseite: Französische Revolution
Rückseite: 1789, Sturm auf die Bastille, Ludwig XVI., Jakobiner, Napoleon…

Gut:

Vorderseite: Wann begann die Französische Revolution?
Rückseite: 1789
Je kleiner die Einheit, desto präziser die Erinnerung.

2. Aktive Formulierung

Schlecht:

Vorderseite: Mitochondrien
Rückseite: Kraftwerke der Zelle, ATP-Produktion

Gut:

Vorderseite: Welche Organellen produzieren ATP?
Rückseite: Mitochondrien

3. Cloze Deletions (Lückentexte)

Besonders effektiv für Definitionen:

Die [___] sind die Kraftwerke der Zelle.
→ Mitochondrien

4. Bilder nutzen

Das Gehirn speichert Bilder besser als Text. Füge Diagramme, Formeln oder Skizzen hinzu.

5. Selbst erstellen

💡Wichtig
Erstelle deine Karten selbst, statt fertige Decks zu importieren. Der Erstellungsprozess ist selbst ein Lernakt – du musst den Stoff durchdringen, um gute Fragen zu formulieren.

Digital vs. Papier: Was ist besser?

📱 Digital (Anki, RemNote)📝 Papier
Automatische IntervallberechnungKeine Ablenkung
Riesige Kapazität (10.000+ Karten)Schreiben fördert Einprägen
Synchronisation zwischen GerätenHaptisches Feedback
Multimedia (Bilder, Audio)Kein technisches Setup
Ablenkungsgefahr (Handy)Manuelle Verwaltung der Boxen
Weniger physische VerankerungBegrenzte Kapazität
Lernkurve für die SoftwareKein automatisches Scheduling
ℹ️Empfohlene Apps
Anki: Kostenlos, extrem anpassbar, große Community
RemNote: Kombination aus Notizen und Karteikarten
Quizlet: Einfacher, aber weniger Spaced-Repetition-fokussiert

Fazit

Die beste Methode ist die, die du konsequent nutzt. Für kleine Stoffmengen funktioniert Papier hervorragend. Für Medizin oder Sprachen ist Anki oft unschlagbar.

Spaced Repetition + Pomodoro: Der optimale Workflow

Die Kombination von Spaced Repetition und der Pomodoro-Technik ist besonders effektiv:

Beispiel-Session

ZeitAktivität
25 Min.Karteikarten-Review (Box 1 + fällige Boxen)
5 Min.Pause
25 Min.Neue Karten erstellen
5 Min.Pause
25 Min.Karteikarten-Review (Fortsetzung)
15 Min.Längere Pause
💡Profi-Tipp
Nutze den Pomodoro-Timer von Athenify und tracke deine Karteikarten-Sessions als eigene Aktivität. So siehst du genau, wie viel Zeit du in Spaced Repetition investierst.

Tägliche Routine

ZeitDauerAktivitäten
☀️ Morgens15–30 Min.Alle fälligen Karten durchgehen, Fokus auf Wiederholung
🌙 Nachmittags/Abends30–60 Min.Neue Karten aus dem Tagesstoff erstellen, zusätzliche Wiederholungsrunde
30 min
tägliches Review reichen für die meisten Fächer aus – Konsistenz schlägt Intensität

Typische Fehler vermeiden

Fehler 1: Zu viele neue Karten auf einmal

Du erstellst 100 Karten am Wochenende – und bist am Montag von Wiederholungen überflutet.

Lösung: Maximal 20–30 neue Karten pro Tag. Die Wiederholungslast wächst exponentiell.

Fehler 2: Zu einfache Karten

Wenn du jede Karte sofort beantworten kannst, sind die Intervalle zu kurz oder die Karten zu trivial.

Lösung: Ein gewisses „Ringen" ist gewollt. Das ist der Moment, in dem Lernen passiert.

Fehler 3: Reviews aufschieben

Jeden Tag, an dem du nicht wiederholst, stapeln sich die Karten. Nach einer Woche Pause hast du Hunderte.

Lösung: Baue eine Streak auf. Tägliches Review, auch nur 15 Minuten, ist besser als sporadische Mammut-Sessions.

Fehler 4: Passives Durchklicken

Du liest die Antwort, denkst „ja, wusste ich" und klickst weiter – ohne wirklich abzurufen.

Lösung: Beantworte die Frage laut oder schriftlich, BEVOR du die Antwort anschaust. Das ist der entscheidende Schritt.

⚠️Das größte Problem
Die meisten scheitern nicht an der Methode, sondern an der Konsistenz. Spaced Repetition funktioniert nur, wenn du jeden Tag wiederholst. Nutze Athenify, um deine Streak zu schützen.

Wie Athenify dich unterstützt

Athenify ist kein Karteikarten-Tool – aber das perfekte Begleitsystem:

1. Karteikarten-Sessions tracken

Erstelle in Athenify eine Aktivität „Karteikarten" und tracke jede Session. Du siehst:

  • Wie viel Zeit du in Spaced Repetition investierst
  • Ob du konstant bleibst
  • Wie sich die Zeit auf Fächer verteilt

2. Pomodoro für Fokus

Nutze den Pomodoro-Timer, um strukturierte Sessions zu haben. 25 Minuten Karteikarten, 5 Minuten Pause – perfekt für konzentriertes Review.

3. Streaks für Konsistenz

Die Streak-Funktion zählt deine aufeinanderfolgenden Lerntage. „Don't break the chain" funktioniert besonders gut für tägliches Karteikarten-Review.

4. Dashboard für Überblick

Im Dashboard siehst du, wie viel Zeit du diese Woche in Karteikarten investiert hast – und wo du vielleicht nachsteuern solltest.

häufiger erreichen Studierende mit Streak ihre Lernziele

Fazit: Spaced Repetition ist ein Game Changer

Spaced Repetition ist keine magische Abkürzung – aber die wissenschaftlich effektivste Art zu lernen. Mit dem Leitner-System, guten Karteikarten und täglicher Konsistenz kannst du:

  • 50 % mehr behalten als mit herkömmlichem Lernen
  • Weniger Zeit für Wiederholungen aufwenden
  • Langfristig Wissen aufbauen, das bleibt

Die wichtigsten Takeaways:

  1. Wiederhole vor dem Vergessen: Die Intervalle sind der Schlüssel
  2. Nutze das Leitner-System: 5 Boxen, steigende Intervalle
  3. Erstelle gute Karten: Eine Frage, aktive Formulierung
  4. Bleib konsistent: 30 Minuten täglich schlägt 5 Stunden am Wochenende
  5. Tracke deine Zeit: Athenify zeigt dir, ob du auf Kurs bist
Spaced Repetition ist wie Zinseszins für dein Gehirn. Kleine tägliche Investments summieren sich zu erstaunlichem Wissen.

Bereit, smarter zu lernen? Starte jetzt mit Athenify – 14 Tage kostenlos, keine Kreditkarte erforderlich. Tracke deine Karteikarten-Sessions, baue Streaks auf und sieh, wie dein Wissen wächst.

Haufig gestellte Fragen

Wie oft sollte ich Karteikarten wiederholen?

Die optimalen Intervalle sind etwa: 1 Tag, 3 Tage, 7 Tage, 14 Tage, 30 Tage. Wenn du eine Karte richtig beantwortest, geht sie in die nächste Box mit längerem Intervall. Bei Fehlern geht sie zurück in Box 1.

Ist Anki besser als Papier-Karteikarten?

Anki berechnet Intervalle automatisch und ist ideal für große Stoffmengen (Medizin, Sprachen). Papier-Karteikarten fördern besseres Einprägen beim Schreiben und haben keine Ablenkungsgefahr. Für die meisten Studierenden ist die beste Methode die, die sie konsequent nutzen.

Wie viele Karteikarten sollte ich pro Tag lernen?

Qualität vor Quantität: 20–50 neue Karten pro Tag sind für die meisten realistisch. Wichtiger ist, die Wiederholungen nicht zu vernachlässigen – die können schnell auf 100–200 Karten pro Tag anwachsen.

Wie erstelle ich gute Karteikarten?

Eine Frage pro Karte, nicht mehrere. Formuliere aktiv (‚Was ist X?' statt Stichpunkte). Nutze Cloze Deletions für Definitionen. Füge Bilder hinzu, wo sinnvoll. Erstelle Karten selbst, statt sie zu importieren – der Erstellprozess ist Teil des Lernens.

Kann ich Spaced Repetition mit anderen Lernmethoden kombinieren?

Unbedingt! Spaced Repetition ist besonders effektiv mit Active Recall (Selbstabfrage), Pomodoro-Technik (strukturierte Sessions) und elaborativem Lernen (eigene Erklärungen). Nutze Athenify, um deine Karteikarten-Sessions als eigene Aktivität zu tracken.

Über den Autor

Lukas von Hohnhorst

Lukas von Hohnhorst

Gründer von Athenify

Seit meinem 3. Semester tracke ich jede Lerneinheit – damals noch in Excel. Dank dieser Daten schrieb ich meine Master-Thesis vom Maidan in Kiew, aus dem Starbucks in Bukarest und einem Airbnb in Warschau.

In meiner Thesis brachte ich mir das Programmieren bei. Daraus entstand Athenify: 2020 gelauncht, seitdem kontinuierlich weiterentwickelt – heute mit über 30.000 Nutzern in 60+ Ländern. Außerdem habe ich das Buch "The HabitSystem" über Gewohnheiten geschrieben.

Dabei fließen 10+ Jahre Tracking-Erfahrung und 5+ Jahre Softwareentwicklung in die Entwicklung von Athenify ein. Als Software Product Owner, ehemaliger Bain-Berater und Mannheim-Absolvent (Top 2 %) weiß ich, was Studierende brauchen – ich war selbst Tutor an der Uni.

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