Die Grundlagen wissenschaftlichen Schreibens
Wissenschaftliches Schreiben folgt klaren Regeln – und diese Regeln zu kennen ist der erste Schritt zu besseren Noten. An deutschen, österreichischen und schweizerischen Hochschulen wird besonderer Wert auf formale Kriterien gelegt: korrektes Zitieren, saubere Gliederung, eine nachvollziehbare Argumentation und ein einheitliches Erscheinungsbild. Im Gegensatz zum angloamerikanischen Raum, wo persönliche Meinungen in Essays durchaus erwünscht sind, erwarten Dozent:innen im DACH-Raum eine strikt objektive, quellenbasierte Darstellung. Wer diese Konventionen nicht kennt, verliert Punkte – nicht weil der Inhalt schlecht ist, sondern weil die Form nicht stimmt.
Gutes wissenschaftliches Schreiben bedeutet nicht, möglichst kompliziert zu formulieren. Im Gegenteil: Klarheit und Präzision sind die Markenzeichen exzellenter akademischer Texte. Jeder Satz sollte einen Zweck erfüllen, jeder Absatz ein Argument voranbringen. Vermeide Füllwörter, Schachtelsätze und vage Formulierungen. Dozent:innen lesen Hunderte von Hausarbeiten pro Semester – eine klare, gut strukturierte Arbeit fällt sofort positiv auf und macht das Lesen angenehmer.
Der Unterschied zwischen einer 1,7 und einer 1,0 liegt oft nicht im Wissen, sondern in der Qualität des Schreibprozesses.
Der Unterschied zwischen einer 1,7 und einer 1,0 liegt oft nicht im Wissen, sondern in der Qualität des Schreibprozesses. Studierende, die einen strukturierten Schreibprozess verfolgen – mit Recherchephase, Gliederung, Rohfassung und mehreren Überarbeitungsrunden – erzielen konsistent bessere Ergebnisse als solche, die alles auf den letzten Drücker erledigen. Wissenschaftliches Schreiben ist kein Talent, das man hat oder nicht. Es ist ein Handwerk, das man systematisch erlernen kann.
Forschungsfrage und Exposé entwickeln
Jede gute wissenschaftliche Arbeit beginnt mit einer präzisen Forschungsfrage. Sie ist der Kompass, der Deine gesamte Arbeit leitet – von der Literaturrecherche über die Gliederung bis zum Fazit. Eine zu breite Frage wie „Was ist Digitalisierung?" führt zu einer oberflächlichen Arbeit ohne klaren Fokus. Eine zu enge Frage wie „Wie viele Lehrkräfte in Bayern nutzten Zoom am 15. März 2021?" lässt sich zwar beantworten, bietet aber keinen Raum für wissenschaftliche Analyse. Die Kunst liegt darin, eine Frage zu formulieren, die spezifisch genug ist, um in 15–60 Seiten sinnvoll bearbeitet zu werden, und gleichzeitig breit genug, um wissenschaftlich interessant zu sein.
Für Bachelorarbeiten und Masterarbeiten verlangen viele Institute ein Exposé – eine Art Projektplan für Deine Arbeit. Das Exposé umfasst typischerweise: Arbeitstitel, Problemstellung, Forschungsfrage, theoretischer Rahmen, Methodik, vorläufige Gliederung und ein realistischer Zeitplan. Unterschätze das Exposé nicht: Es zwingt Dich, Dein Vorhaben zu durchdenken, bevor Du Wochen in eine Sackgasse investierst. Viele Dozent:innen betrachten das Exposé als erste Arbeitsprobe und geben detailliertes Feedback, das Dir später viel Überarbeitungszeit spart.
Ein häufiger Fehler: Die Forschungsfrage wird im Laufe der Arbeit nie angepasst. Dabei ist es völlig normal, dass sich die Fragestellung durch die Recherche verändert. Sprich regelmäßig mit Deinen Betreuer:innen über den Stand Deiner Arbeit und scheue Dich nicht, die Frage zu präzisieren.
Ein häufiger Fehler: Die Forschungsfrage wird im Laufe der Arbeit nie angepasst. Dabei ist es völlig normal, dass sich die Fragestellung durch die Recherche verändert. Sprich regelmäßig mit Deinen Betreuer:innen über den Stand Deiner Arbeit und scheue Dich nicht, die Frage zu präzisieren. Eine gut geschärfte Forschungsfrage am Ende der Recherchephase ist wertvoller als eine vage Frage, die Du seit dem ersten Tag unverändert mitschleppst.
Literaturrecherche systematisch angehen
Die Literaturrecherche ist das Fundament jeder wissenschaftlichen Arbeit – und gleichzeitig der Schritt, den die meisten Studierenden unterschätzen. Plane mindestens 25–30 % Deiner Gesamtzeit für die Recherche ein. Beginne mit Überblickswerken, Handbüchern und aktuellen Review-Artikeln, um den Forschungsstand zu verstehen. Nutze dann die Schneeballmethode: Arbeite Dich über die Literaturverzeichnisse Deiner Schlüsselquellen zu weiteren relevanten Texten vor. Ergänze dies durch systematische Datenbankrecherchen in JSTOR, Web of Science, EBSCO oder fachspezifischen Datenbanken.
Erfasse jede Quelle sofort in einem Zitationsmanager wie Citavi (an vielen deutschen Unis kostenlos), Zotero (Open Source) oder Mendeley. Notiere Dir zu jedem Text eine kurze Zusammenfassung, die Kernthese und relevante Seitenzahlen. Diese Vorarbeit spart Dir beim Schreiben Stunden, weil Du nicht ständig in Texten zurückblättern musst. Organisiere Deine Quellen thematisch statt alphabetisch – das erleichtert es Dir später, sie in Deine Argumentation einzuweben, statt eine zusammenhanglose Auflistung zu produzieren.
Achte bei der Quellenauswahl auf Aktualität, Relevanz und wissenschaftliche Qualität. Peer-reviewte Fachartikel und Monografien von anerkannten Verlagen haben mehr Gewicht als Blogposts oder Wikipedia-Einträge. Für eine typische Hausarbeit von 15 Seiten solltest Du 15–25 Quellen auswerten, für eine Bachelorarbeit 40–60. Qualität geht dabei immer vor Quantität: Zehn sorgfältig analysierte Quellen sind wertvoller als dreißig, die Du nur überflogen hast. Nutze die Lernzeit-Erfassung, um Deine Recherchezeit zu tracken und realistisch einzuschätzen.
Gliederung als Gerüst Deiner Arbeit
Die Gliederung ist das halbe Paper. Eine klare Gliederung vor dem Schreiben zu erstellen, spart Dir Stunden und verhindert, dass Du Dich in Details verlierst. Sie zwingt Dich, Dein Argument zu strukturieren und logische Brüche frühzeitig zu erkennen. Deutsche Hausarbeiten und Abschlussarbeiten folgen typischerweise dem Schema: Einleitung → Theorieteil → Methodik → Ergebnisse → Diskussion → Fazit. Je nach Fach und Thema kann diese Grundstruktur variieren, aber das Prinzip bleibt: Vom Allgemeinen zum Spezifischen und zurück.
Erstelle Deine Gliederung in mehreren Stufen. Beginne mit den Hauptkapiteln und unterteile diese dann in Unterkapitel. Formuliere für jedes Kapitel eine Kernaussage – was soll der Leser am Ende dieses Abschnitts verstanden haben? Diese Kernaussagen helfen Dir, den roten Faden nicht zu verlieren. Manche Studierende schreiben sogar Kurzabstracts für jedes Kapitel, bevor sie mit dem eigentlichen Text beginnen. Das klingt nach Mehrarbeit, spart aber insgesamt Zeit, weil Du beim Schreiben genau weißt, wohin jeder Absatz führen soll.
Besprich Deine Gliederung mit Kommiliton:innen, Tutor:innen oder in der Schreibwerkstatt Deiner Universität. Feedback in dieser Phase ist besonders wertvoll, weil Änderungen an der Struktur hier noch einfach sind – im fertigen Text sind sie ein enormer Aufwand. Viele Dozent:innen bieten Sprechstunden an, in denen Du Deine Gliederung besprechen kannst. Nutze diese Angebote: Eine abgesegnete Gliederung gibt Dir Sicherheit und verhindert böse Überraschungen bei der Bewertung.
Den Schreibprozess strukturieren
Der häufigste Fehler beim wissenschaftlichen Schreiben: gleichzeitig schreiben und perfektionieren. Das verlangsamt Dich massiv und führt zu Schreibblockaden. Die Lösung ist so einfach wie wirksam – trenne Kreation und Korrektur konsequent. Schreibe den ersten Entwurf ohne Anspruch auf Perfektion. Lass die innere Kritikerin schweigen und bringe Deine Gedanken aufs Papier. Es ist deutlich einfacher, einen mittelmäßigen Text zu überarbeiten, als einen perfekten Text aus dem Nichts zu erschaffen.
Nutze getimte Schreibsessions mit der Pomodoro-Technik: 25 Minuten fokussiert schreiben, 5 Minuten Pause. Nach vier Blöcken machst Du eine längere Pause von 15–30 Minuten. Diese Methode wirkt gegen Schreibblockaden, weil sie den Druck nimmt: Du musst nicht stundenlang am Stück schreiben, sondern nur 25 Minuten durchhalten. Viele Studierende berichten, dass sie in vier fokussierten Pomodoro-Blöcken mehr schaffen als in einem ganzen Tag „irgendwie am Schreibtisch sitzen".
Schreibroutinen schlagen Inspiration. Eine tägliche Schreibroutine von 45–90 Minuten produziert über ein Semester mehr Ergebnis als sporadische Marathonsessions am Wochenende.
Schreibroutinen schlagen Inspiration. Professionelle Akademiker:innen und Autor:innen schreiben nicht, wenn sie motiviert sind – sie schreiben nach einem festen Plan. Eine tägliche Schreibroutine von 45–90 Minuten produziert über ein Semester mehr Ergebnis als sporadische Marathonsessions am Wochenende. Plane feste Schreibzeiten in Deinen Stundenplan ein und behandle sie wie Pflichtveranstaltungen. Tracke Deine tägliche Schreibzeit, um Muster zu erkennen: Wann schreibst Du am besten? Morgens, nachmittags oder abends? Passe Deinen Lernplan entsprechend an.
Zitieren und Plagiatsfreiheit sicherstellen
Korrektes Zitieren schützt vor Plagiatsvorwürfen – und ein Plagiatsvorwurf kann im schlimmsten Fall zur Exmatrikulation führen. Jede fremde Idee, die Du übernimmst, muss als Zitat gekennzeichnet sein: direkt (wörtlich in Anführungszeichen mit Quellenangabe) oder indirekt (in eigenen Worten umformuliert, aber ebenfalls mit Quellenangabe). Im Zweifelsfall gilt: Lieber eine Quelle zu viel als eine zu wenig angeben. An vielen deutschen Hochschulen werden Abschlussarbeiten routinemäßig mit Software wie Turnitin, PlagScan oder Plagscan geprüft.
Welchen Zitierstil Du verwenden musst, hängt von Deinem Fach und Institut ab. In den Geisteswissenschaften sind Fußnoten-Stile (Chicago, Turabian) verbreitet, in den Sozialwissenschaften APA oder Harvard, in den Naturwissenschaften oft Vancouver oder ACS. Frage immer Deine Dozent:innen nach den spezifischen Vorgaben – manche Institute haben eigene Zitierleitfäden. Achte auf Konsistenz: Ein Wechsel zwischen Zitierstilen innerhalb einer Arbeit ist ein häufiger Fehler und fällt sofort negativ auf.
Ein Zitationsmanager ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Citavi ist an vielen deutschen Universitäten über eine Campus-Lizenz kostenlos verfügbar und bietet neben der Quellenverwaltung auch eine Wissensorganisation mit Kategorien und Schlagworten.
Ein Zitationsmanager ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Citavi ist an vielen deutschen Universitäten über eine Campus-Lizenz kostenlos verfügbar und bietet neben der Quellenverwaltung auch eine Wissensorganisation mit Kategorien und Schlagworten – wer dieses Prinzip weiterdenken möchte, sollte sich mit dem Second-Brain-Konzept für Studierende beschäftigen. Zotero ist die beste kostenlose Alternative und funktioniert auf allen Betriebssystemen. Beide Tools erstellen Dein Literaturverzeichnis automatisch im gewünschten Zitierstil – das allein spart Dir bei einer Bachelorarbeit mehrere Stunden manueller Formatierung und reduziert Fehler erheblich.
Überarbeitung und Feedback systematisch nutzen
Die Überarbeitung ist der Schritt, der gute Arbeiten von exzellenten trennt – und gleichzeitig der Schritt, für den die meisten Studierenden zu wenig Zeit einplanen. Plane mindestens 3–5 Überarbeitungsrunden ein, jede mit einem anderen Fokus: Die erste Runde prüft die Argumentation und den roten Faden. Die zweite Runde verbessert Stil und Verständlichkeit. Die dritte Runde kontrolliert Zitierweise und Literaturverzeichnis. Die vierte Runde kümmert sich um Formatierung, Seitenzahlen und Anhänge. Die letzte Runde ist ein finaler Korrekturlesedurchgang.
Lass zwischen dem Schreiben und der Überarbeitung mindestens einen Tag Abstand. Mit frischen Augen siehst Du Fehler, die Dir direkt nach dem Schreiben entgehen. Lies Deinen Text laut vor – das ist eine der effektivsten Methoden, um holprige Formulierungen, fehlende Übergänge und zu lange Sätze zu identifizieren. Wenn ein Satz beim Vorlesen stolpert, ist er zu kompliziert. Vereinfache ihn, teile ihn auf oder formuliere ihn um.
Feedback von anderen ist unverzichtbar. Lass Deine Arbeit von mindestens zwei Personen gegenlesen – idealerweise von jemandem aus Deinem Fach (für inhaltliche Korrektheit) und von jemandem fachfremdem (für Verständlichkeit). Viele Universitäten im DACH-Raum bieten kostenlose Schreibwerkstätten und Schreibberatungen an, die von geschulten Tutor:innen geleitet werden. Diese Angebote sind Gold wert und werden von erstaunlich wenigen Studierenden genutzt. Auch Peer-Feedback-Gruppen, in denen Studierende gegenseitig ihre Texte lesen, sind eine hervorragende Möglichkeit, Dein Schreiben zu verbessern.
Wie Athenify beim wissenschaftlichen Schreiben hilft
Athenify wurde entwickelt, um Studierenden eine nachhaltige Lernroutine aufzubauen – und das gilt besonders für das wissenschaftliche Schreiben. Nutze den Fokus-Timer für getimte Schreibsessions: Pomodoro-Blöcke von 25 oder 50 Minuten helfen Dir, Schreibblockaden zu überwinden und täglich produktiv zu schreiben. Die täglichen Streaks halten Dich accountable und motivieren Dich, auch an schwierigen Tagen zumindest eine kurze Schreibsession einzulegen – denn Konsistenz schlägt Intensität.
Mit der Lernzeit-Erfassung trackst Du, wie viel Zeit Du tatsächlich in Deine Arbeit investierst – aufgeteilt nach Recherche, Schreiben und Überarbeiten. Diese Daten helfen Dir, realistische Zeitpläne zu erstellen und Deine Produktivität zu verstehen. Viele Studierende überschätzen, wie viel sie tatsächlich schreiben, und unterschätzen, wie viel Zeit die Recherche frisst. Ehrliches Tracking schafft Klarheit und hilft Dir, Deinen Schreibprozess von Hausarbeit zu Hausarbeit zu verbessern.
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