Dein Herz rast. Deine Hände zittern. Die Buchstaben auf dem Aufgabenblatt verschwimmen vor deinen Augen. Du weißt, dass du den Stoff gelernt hast – aber plötzlich ist alles weg.
Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein. Prüfungsangst gehört zu den häufigsten psychologischen Problemen im Studium – und ist gleichzeitig eines der am besten erforschten. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Strategien lässt sie sich überwinden.

Prüfungsangst ist keine Charakterschwäche. Sie ist eine normale Reaktion deines Nervensystems – und sie ist behandelbar.
Was ist Prüfungsangst?
Prüfungsangst ist eine spezifische Form der Leistungsangst, die vor, während oder nach Prüfungssituationen auftritt. Sie geht über normale Nervosität hinaus und kann die Leistung erheblich beeinträchtigen.
Die drei Ebenen der Prüfungsangst
Prüfungsangst zeigt sich auf drei Ebenen gleichzeitig – und genau das macht sie so überwältigend.
Auf der kognitiven Ebene kreisen die Gedanken: „Ich werde versagen", „Alle werden sehen, dass ich nichts kann", „Wenn ich durchfalle, ist mein Leben ruiniert." Dazu kommen Blackouts – dieses lähmende Gefühl, plötzlich alles vergessen zu haben, obwohl du den Stoff eigentlich beherrschst.
Die körperlichen Symptome folgen unmittelbar: Dein Herz rast, du schwitzt, deine Hände zittern. Manche spüren Übelkeit oder Magenschmerzen, andere Schwindel oder Atemnot. Oft beginnen die Symptome schon Tage vorher – mit Schlafstörungen, die die Angst weiter verstärken.
Auf der emotionalen Ebene dominieren Panik und Hilflosigkeit. Scham mischt sich mit Selbstzweifeln, Reizbarkeit mit Frustration. Bei chronischer Prüfungsangst kann sich daraus sogar eine Depression entwickeln.
Die Wissenschaft hinter der Prüfungsangst
Um Prüfungsangst zu überwinden, hilft es zu verstehen, was in deinem Körper passiert.
Die Amygdala: Dein Alarmsystem
Die Amygdala ist ein mandelförmiger Bereich im Gehirn, der für die Verarbeitung von Bedrohungen zuständig ist. Bei Prüfungsangst interpretiert sie die Prüfungssituation als Gefahr – und löst die klassische „Kampf-oder-Flucht"-Reaktion aus.
Das Problem: Diese Reaktion, die bei einem Säbelzahntiger sinnvoll wäre, ist bei einer Statistikklausur kontraproduktiv. Dein Körper pumpt Adrenalin und Cortisol aus, während du eigentlich ruhig nachdenken solltest. Forschung zeigt: Es kann bis zu 23 Minuten dauern, bis Cortisol nach akutem Stress wieder auf ein normales Niveau sinkt.
Die Yerkes-Dodson-Kurve
Die Yerkes-Dodson-Kurve zeigt den Zusammenhang zwischen Erregung und Leistung:
- Zu wenig Aktivierung – Gelangweilt und unmotiviert → schlechte Leistung
- Optimale Aktivierung – Wach, fokussiert und leistungsfähig → beste Leistung
- Zu viel Aktivierung – Panisch und blockiert → wieder schlechte Leistung
Ein bisschen Nervosität ist gut. Sie macht dich wach und fokussiert. Das Ziel ist nicht, völlig entspannt zu sein – sondern im optimalen Bereich zu bleiben.
Prüfungsangst bedeutet, dass du über den optimalen Punkt hinausgeschossen bist. Die Strategien in diesem Artikel helfen dir, wieder in den grünen Bereich zu kommen.
Angst vs. Aufregung: Die Macht des Reframings
Hier ist eine erstaunliche Erkenntnis aus der Forschung: Angst und Aufregung fühlen sich körperlich fast identisch an – Herzrasen, erhöhte Energie, Anspannung. Der Unterschied liegt in der Interpretation.
Die Harvard-Studie zum Reframing
Forscherin Alison Wood Brooks fand heraus: Menschen, die vor einer stressigen Aufgabe „Ich bin aufgeregt" statt „Ich bin nervös" sagten, schnitten 17 % besser ab – obwohl sie dieselben körperlichen Symptome hatten.
Warum funktioniert das? Angst ist eine negative Emotion, die uns hemmt – wir wollen vor der Bedrohung fliehen. Aufregung hingegen ist positiv und treibt uns an. Der Clou: Beide Emotionen fühlen sich körperlich fast identisch an. Und genau deshalb ist die Umdeutung so wirksam. Statt gegen deine Physiologie anzukämpfen (was selten funktioniert), gibst du ihr einfach eine andere Bedeutung.
7 evidenzbasierte Strategien gegen Prüfungsangst
1. Die 4-7-8-Atemtechnik
Diese Technik aktiviert den Parasympathikus – den Teil deines Nervensystems, der für Entspannung zuständig ist. Du atmest vier Sekunden lang ein, hältst den Atem sieben Sekunden, und atmest dann acht Sekunden lang langsam aus. Wiederhole das drei- bis viermal hintereinander. Diese Technik funktioniert auch hervorragend in Kombination mit der Pomodoro-Technik – nutze sie in den kurzen Pausen zwischen deinen Lernblöcken.
Die Harvard Medical School bestätigt: Kontrolliertes Atmen reduziert nachweislich die Stressreaktion. Innerhalb von weniger als einer Minute kannst du so dein Nervensystem beruhigen – mitten in der Prüfung, ohne dass jemand etwas merkt.
2. Progressive Muskelentspannung
Bei der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson spannst du bewusst Muskelgruppen an und entspannst sie dann. Das Prinzip ist simpel: Anspannung macht Entspannung erst spürbar. Wenn du lernst, den Unterschied wahrzunehmen, kannst du gezielt loslassen.
Für eine Kurzversion vor der Prüfung brauchst du nur drei Körperregionen:
- Fäuste: Balle beide Fäuste fest zusammen, halte 5 Sekunden, dann lass los und spüre 10 Sekunden die Entspannung
- Schultern: Zieh sie hoch zu den Ohren, halte, lass los
- Füße: Presse sie fest auf den Boden, halte, lass los
In weniger als einer Minute hast du die größten Anspannungsherde im Körper adressiert.
3. Kognitive Umstrukturierung
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVTKognitive Verhaltenstherapie) ist die am besten erforschte Therapieform gegen Prüfungsangst. Der Kerngedanke: Nicht die Situation macht Angst, sondern unsere Gedanken darüber.
Nicht die Prüfung erzeugt Panik – sondern das, was du dir über die Prüfung erzählst.
Der Prozess funktioniert in drei Schritten. Zuerst identifizierst du den negativen Gedanken – etwa „Wenn ich durchfalle, ist alles vorbei." Dann hinterfragst du ihn kritisch: Ist das wirklich wahr? Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Und schließlich formulierst du einen realistischeren Gedanken: „Wenn ich durchfalle, kann ich die Prüfung wiederholen. Das ist ärgerlich, aber nicht das Ende der Welt."
Das klingt simpel, ist aber erstaunlich wirkungsvoll – und hilft dir auch dabei, die Klausurenphase insgesamt besser zu meistern. Die meisten angstauslösenden Gedanken fallen in drei Kategorien:
- Katastrophisieren: „Wenn ich durchfalle, ist mein Leben ruiniert"
- Schwarz-Weiß-Denken: „Entweder 1,0 oder Versager"
- Gedankenlesen: „Alle werden denken, ich bin dumm"
Sobald du diese Muster erkennst, verlieren sie ihre Macht.
4. Prüfungssimulation (Desensibilisierung)
Je öfter du eine angstauslösende Situation übst, desto weniger Angst macht sie. Das nennt sich systematische Desensibilisierung.
Praktische Umsetzung: Besorge dir Altklausuren und löse sie unter möglichst realistischen Bedingungen. Unsere Klausurvorbereitung-App hilft dir dabei, strukturiert zu üben. Setze dir einen Timer mit der exakten Prüfungsdauer. Wenn möglich, arbeite am gleichen Ort, an dem du später die Prüfung schreibst – oder zumindest in einer ähnlich neutralen Umgebung. Manche gehen sogar so weit, den Weg zur Uni zu simulieren, um auch diese Routine zu verinnerlichen. Je weniger Unbekanntes am Prüfungstag auf dich wartet, desto weniger hat die Angst, woran sie sich festhalten kann.
Prüfungsangst entsteht oft aus Unbekanntem. Je vertrauter die Situation, desto geringer die Angst.
5. Positive Selbstgespräche
Was du dir selbst sagst, beeinflusst deine Leistung – das ist keine Esoterik, sondern messbar. Forschung zeigt: Positive Selbstgespräche verbessern die Performance unter Stress signifikant.
Statt „Ich werde das verkacken" sagst du dir: „Ich habe mich gut vorbereitet." Statt „Ich kann das nicht" versuchst du: „Ich kann das schaffen – und selbst wenn nicht alles perfekt läuft, weiß ich genug." Der wichtigste Gedanke dabei: Eine Prüfung definiert nicht deinen Wert als Mensch. Sie ist ein Test deines Wissens an einem bestimmten Tag – nicht mehr.
6. Zeiterfassung für Kontrollgefühl
Ein Haupttreiber von Prüfungsangst ist das Gefühl von Kontrollverlust: „Ich weiß nicht, ob ich genug gelernt habe.
Zeiterfassung mit Athenify gibt dir objektive Daten statt vager Gefühle. Du siehst schwarz auf weiß, wie viele Stunden du investiert hast, erkennst, welche Themen mehr Aufmerksamkeit brauchen, und hast handfeste Beweise für deine Vorbereitung. Diese Kontrolle reduziert Angst unmittelbar. Wenn du weißt, dass du 45 Stunden in ein Modul investiert hast – mehr als empfohlen –, dann ist das keine Hoffnung, sondern Gewissheit: Du bist vorbereitet.
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Gewinne Kontrolle zurück: Tracke deine Vorbereitung, sieh objektiv, wie viel du investiert hast, und geh mit Selbstvertrauen statt Angst in die Prüfung.
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7. Die Worst-Case-Analyse
Paradoxerweise hilft es manchmal, das Worst-Case-Szenario durchzudenken – nicht um Panik zu schüren, sondern um zu erkennen, dass es überlebbar wäre.
Frage dich: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Meistens ist die Antwort: Durchfallen. Dann frag weiter: Wie wahrscheinlich ist das wirklich – ehrlich betrachtet? Und wenn es tatsächlich passiert, was dann? Eine Wiederholungsprüfung. Ein Semester länger. Unangenehm, ja. Aber ist das wirklich so schlimm?
Wenn du diese Fragen ehrlich durchgehst, entdeckst du oft: Selbst das Worst-Case-Szenario ist kein Weltuntergang. Es ist überlebbar. Und genau diese Erkenntnis nimmt der Angst ihre Macht.
Soforthilfe: Was tun bei Blackout?
Du sitzt in der Prüfung, liest die erste Frage – und plötzlich ist dein Kopf leer. Was jetzt?
Wenn der Blackout eintritt, folge diesem Notfallplan: Lege zuerst den Stift ab und schau nicht auf die Aufgaben – das verstärkt nur die Panik. Dann drei tiefe Atemzüge, vier Sekunden ein, acht Sekunden aus. Spüre deine Füße auf dem Boden und den Stuhl unter dir – diese Erdung bringt dich ins Hier und Jetzt. Dann suche die einfachste Frage auf dem Blatt und beginne dort, auch wenn es nicht die erste ist. Sobald du anfängst zu schreiben, löst sich die Blockade oft von selbst. Der Körper merkt: Es geht doch. Das Wissen kommt zurück.
Wie Athenify bei Prüfungsangst hilft
Athenify ist kein Ersatz für Therapie – aber ein mächtiges Werkzeug, um Kontrollgefühl aufzubauen.
Objektive Daten sind der beste Schutz gegen vage Ängste. Wer schwarz auf weiß sieht, was er investiert hat, zweifelt weniger.
Der größte Vorteil: objektive Daten statt vager Ängste. Statt „Ich weiß nicht, ob ich genug gelernt habe" siehst du konkret: „Ich habe diese Woche 18 Stunden in Statistik investiert. Das entspricht meinem Plan." Diese Gewissheit ist unbezahlbar, wenn die Angst dir einreden will, du hättest nicht genug getan. Durch Deep Work – fokussiertes, ungestörtes Lernen – baust du zusätzlich echte Kompetenz auf, die dein Selbstvertrauen langfristig stärkt.
Prüfungsangst führt außerdem oft zu Vermeidung – du schiebst das Lernen auf, weil es unangenehme Gefühle auslöst. Hier helfen Streaks: Das Gefühl, eine 30-Tage-Serie aufgebaut zu haben, gibt dir Selbstvertrauen und macht es leichter, trotzdem dranzubleiben. Ähnlich funktioniert der Aktienkurs – er zeigt dir auf einen Blick, ob du auf Kurs bist. Wenn er steigt, hast du objektive Bestätigung, dass deine Vorbereitung läuft.
Und jede Medaille, die du freischaltest – Bronze, Silber, Gold –, ist ein kleiner Beweis: Du kannst etwas schaffen. Diese Selbstwirksamkeit ist der natürliche Gegenspieler von Prüfungsangst. Je mehr du erlebst, dass du Ziele erreichst, desto weniger Macht hat die Angst über dich.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Nicht jede Prüfungsangst lässt sich mit Selbsthilfe-Strategien lösen – und das ist keine Schwäche, sondern Realität.
Suche professionelle Unterstützung, wenn:
- Deine Angst dich regelmäßig vom Lernen oder von Prüfungen abhält
- Körperliche Symptome deinen Alltag beeinträchtigen (chronische Schlafstörungen, ständige Übelkeit, Panikattacken)
- Du depressive Gedanken oder Hoffnungslosigkeit entwickelst
- Die Angst trotz konsequenter Übung der hier beschriebenen Techniken nicht besser wird
All das sind Zeichen, dass du mehr brauchst als einen Blogartikel.
• Hausarzt – kann an Therapeuten überweisen
• Psychotherapeuten – spezialisiert auf Prüfungsangst
Fazit: Prüfungsangst ist überwindbar
Prüfungsangst fühlt sich überwältigend an – aber sie ist kein Schicksal. Mit den richtigen Strategien kannst du sie in den Griff bekommen.
Der erste Schritt ist zu verstehen, was passiert: Dein Nervensystem überreagiert auf eine vermeintliche Bedrohung. Das ist keine Charakterschwäche, sondern Biologie – und Biologie lässt sich beeinflussen. Nutze Reframing, um die körperlichen Symptome neu zu interpretieren: Aufregung und Angst fühlen sich gleich an, aber du entscheidest, welches Label du vergibst.
Wenn die akute Angst kommt, hilft die 4-7-8-Atmung in Sekunden. Langfristig reduzierst du Angst am effektivsten durch Vertrautheit – simuliere Prüfungssituationen, bis das Unbekannte vertraut wird. Und tracke deine Lernzeit, um Kontrolle zurückzugewinnen: Objektive Daten sind der beste Schutz gegen vage Ängste.
Du bist mehr als deine Prüfungsergebnisse. Aber mit den richtigen Werkzeugen kannst du auch diese meistern.


