16. Werde zum Flaneur: Die Magie des Spazierengehens
Neben dem intensiven Krafttraining aus dem vorherigen Ratschlag bieten sich ausgedehnte Spaziergänge – ganz im Sinne der angesprochenen Barbell-Strategie – als weitere gesundheitliche Aktivität an. Spazierengehen bringt mehrere Vorteile mit sich. Hierfür möchte ich dir eine neue Figur vorstellen: Den Flaneur.
Der Flaneur
In den belebten Straßen der Stadt bewegt sich eine Figur mit einer unverwechselbaren Grazie und einem wohl überlegten Tempo: Es ist der Flaneur – ein Wanderer ohne Ziel, ein Beobachter ohne Agenda. In einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, bleibt der Flaneur ein Symbol der Ruhe, des Nachdenkens und der Introspektion.
Der Flaneur ist keine neue Erscheinung. Er tritt zuerst in den literarischen und kulturellen Kreisen des 19. Jahrhunderts in Erscheinung und wird oft mit den Boulevards von Paris assoziiert – jenen Straßen von Haussmann, die Paris so bekannt gemacht haben. Doch sein Geist lebt bis heute weiter, und sein Erbe ist relevanter denn je! In einer Zeit der digitalen Ablenkungen, des Multitaskings und der ununterbrochenen Geschäftigkeit steht der Flaneur für eine andere Art, die Welt zu erleben – langsamer, tiefer, bedachtsamer.
Das Flanieren ist nicht einfach nur Spazierengehen. Es ist eine Kunstform, eine Lebenseinstellung. Es geht darum, die Welt mit offenen Augen zu sehen, die kleinen Wunder des Alltags zu bemerken und sich Zeit zu nehmen, um nachzudenken und zu fühlen. Der Flaneur weiß, dass es nicht immer darum geht, wohin man geht, sondern wie man dorthin gelangt. Er versteht die Schönheit des Moments und weiß, dass das Ziel oft im Weg selbst liegt.
1. Spazierengehen ist gesund. Bedingt durch Smartwatches und Smartphones, die die Bewegung tracken, ist das Ziel, jeden Tag 10.000 Schritte zu gehen, immer präsenter geworden. 10.000 Schritte entsprechen etwa sieben Kilometern (Plusminus, je nachdem wie groß Du bist). Das ist ein Ziel, von dem Ärzte und Gesundheitsexperten sagen, dass es für die langfristige Gesundheit zuträglich ist. Das tägliche Spazierengehen hilft Dir ungemein dabei, dieses gesundheitliche Ziel zu erreichen. 2. Spazierengehen ist einfach. Spazierengehen ist eine der einfachsten Beschäftigungen überhaupt. Du brauchst weder ein besonderes Werkzeug, noch eine besondere Vorbereitung. Du ziehst Dir einfach Schuhe und Jacke and und machst Dich auf den Weg. 3. Spazierengehen hilft bei der Selbstreflexion. Beim Spazierengehen kannst Du Musik, Podcasts oder Hörbücher hören. So nutzt Du Deine Zeit optimal. Du musst dies aber nicht tun – im Gegenteil: Oft ist das Spazierengehen für sich selbst eine der besten Beschäftigungen überhaupt. Ähnlich wie beim Meditieren wird sein Dein Gehirn ganz von selbst mit sich selbst beschäftigen; du fängst an, nachzudenken, zu reflektieren. Nutze dies, auch zum Abschalten. Es gibt täglich so viele Reize, Bildschirme und Benachrichtigungen. Das Spazierengehen ist eine gute Möglichkeit, diese Welt einfach mal abzuschalten, dem Gehirn eine Pause zu gönnen. Dieses nutzt die freie Zeit dann für die Selbstreflexion. 4. Beim Spazierengehen kommen einem sehr gute Ideen. Bei der Selbstreflexion werden bestehende Gedanken aus den Tiefen Deiner Erinnerung hervorgeholt und mit aktuellen Gedanken vermischt. Dabei entstehen nicht selten große und tolle Ideen. Viele große Denker und Visionäre, darunter auch Steve Jobs, waren große Verfechter des Spazierend. Denn: Beim Spazieren kann das Gehirn ungestört nachdenken – sich fokussieren. 5. Beim Spazierengehen kann man sich gut unterhalten. Während Du Dir beim Spazierengehen alleine viel Zeit zum nachdenken und entwickeln von neuen Ideen schaffst, kannst Du natürlich auch mit anderen Menschen zusammen spazieren gehen. Oft ergeben sich beim Spazierengehen nämlich richtig gute Gespräche. Anders als im Café, wo man meistens von verschiedenen Störgeräuschen umgeben ist, bietet die freie Natur einen wunderbaren Ort für tolle Unterhaltungen. Nutze das! 6. Spazierengehen verbindet einen mit der Natur. Beim Spazierengehen verbindest Du Dich mit der Natur. Überleg Dir: Wie viel Prozent Deines Tages bist Du wirklich mit der Natur verbunden – wie viel Prozent sind es innerhalb eines Raumes oder zwischen Beton und Edelstahl? Der Mensch ist in der Natur aufgewachsen. Durch einen Spaziergang und der Natur wirst Du wieder eins mit dieser. Du siehst Pflanzen, Bäume und Tiere.
Idealerweise gehst du zum Spazieren und die freie Natur. Wo genau Du hingehst, ist unerheblich. Oft entwickelst Du im Laufe der Zeit verschiedene Routen. Du fängst auch an, bestimmte Orte auf Deiner Route mit bestimmen Ideen zu verknüpfen. Spazierengehen ist kein Sport – es gibt keine Regeln. Also mach auch eine Pause, nimm eine Abzweigung. Folge dem unbekannten Pfad.
Der Flaneur wandert von Ort zu Ort – ist ganz von Neugier getrieben. Er nimmt das, was ihm in den Weg kommt. Dabei gilt: einen festen Plan gibt es nicht. Eines führt zum anderen: Der Flaneur braucht keine Karte. Er ist sehr flexibel und entscheidet spontan, welchen Weg er nimmt, wie lange er an einem Ort verweilt. Während ein Tourist an seinen Plan gebunden ist, bastelt ein Flaneur stets an seinem Plan herum. Er experimentiert.
Eine besondere Form des Spazierengehen ist das Flanieren. Anders als beim klassischem Spaziergang findet es nicht in der Natur statt. Das Flanieren ist eine Aktivität, die Du in einer (neuen) Stadt ausführst.
Anders als langweilige, vorgegebene touristische Routen bietet es eine dynamische Möglichkeit, eine Stadt zu erkunden. Beim Flanieren steht das Entdecken im Vordergrund. Dabei lässt Du Dich einfach von Deiner Neugier leiten: Dort ist eine interessante Gasse, dort ein filigraner Turm in der Ferne, der zur Besichtigung einlädt.
Bei touristischen Reisen sind die meisten Routen auf dem Reisbrett geplant und vorgegeben. Es werden einfach nur die Top-5-Attraktionen der Reihe nach abgearbeitet – dann kann man einen Haken setzten und hat den Ort »gesehen«. Das ist langweilig und viel zu kurz gedacht! Der große Spaß besteht gerade darin, einen Ort eher zufällig zu entdecken.
Bei allen meinen Reisen laufe ich einfach ziellos durch die Stadt. Ich habe mir davor keine Liste mit Attraktionen gemacht, ich schaue nicht in irgendeiner Karte. Ich laufe einfach drauf los und schaue, wohin mich meine Neugier führt.
Du kannst auch in der Stadt in der Du wohnst, zum Flaneur werden. Laufe einfach drauf los, geh in ein anderes Viertel. Lass Deine Neugier Dein Sherpa sein!
Bücher: Antifragile, Am kreativsten bin ich, wenn ich bügle, Mehr Musenküsse,
