Kapitel 17

Lebe Digital Minimalism und limitiere Social Media und News

Gesundheit

17. Lebe Digital Minimalism und limitiere Social Media und News

Du bist von Bildschirmen umgeben: auf Deinem Handgelenk, auf dem Schreibtisch und in der Hosentasche – überall sind kleine oder große Bildschirme, die nach Deiner Aufmerksamkeit gieren. Hinter den Bildschirmen verborgen liegen unfassbare Welten. Da ist das Meer an YouTube-Videos, das von bizarr bis wundervoll alles aufbieten kann. Da sind Berge von Instagram-Influencern, die Dich an Ihrem Leben teilhaben lassen. Und natürlich gibt es dann noch Twitter, Reddit, Quora, TikTok, LinkedIn, Snapchat und viele andere.

Ich möchte – und kann – Dir nicht vorschreiben, wie Du Social Media verwenden sollst. Es bietet mannigfaltige Möglichkeiten (und ist oft besser, als sein Ruf). Aber: Social Media ist fast immer ein immenser Zeiträuber. Du weißt: Zeit ist eine der kostbarsten Ressourcen, die Du hüten musst! Deshalb ist es sinnvoll, Social Media zumindest zu begrenzen, und es idealerweise gezielt als Katalysator für das eigene Wachstum zu verwenden.

Nutze Social Media bewusst

Social Media hat außer meiner Sicht drei sinnvolle Einsatzmöglichkeiten.

Es bietet sich erstens dafür an, mit Freunden in Kontakt zu bleiben und am Leben dieser teilzuhaben. Hierfür nutze ich Instagram.

Es bietet zweitens die Möglichkeit, inspiriert oder motiviert zu werden. Es gibt wirklich gute Accounts und Bildung und Wissensvermittlung findet immer mehr innerhalb von Social Media statt. Hierfür nutze ich Reddit, Twitter und YouTube.

Die dritte und wohl mächtigste Möglichkeit besteht darin, Social Media als Marketing-Waffe zu verwenden. Es gibt keine bessere Möglichkeit, Reichweite und Einfluss aufzubauen, wie über einen Social-Media-Kanal. Je nach Zielgruppe bieten sich einzelne oder Kombinationen von Netzwerken an. Für eine junge Zielgruppe eignen sich TikTok und Instagram. Für längeren Content YouTube und für den englischsprachigen Raum Twitter. LinkedIn ist der wohl beste Kanal im geschäftlichen Kontext.

Diese drei Einsatzmöglichkeiten sind schön, praktisch und mächtig. Aber: Du musst dafür sorgen, dass es auch dabei bleibt. Social Media übt eine immense Sogwirkung aus – das Ergebnis ist dann verlorene Zeit, die es nie wieder zurück gibt. Und natürlich gibt es noch negative Einflüsse wie Neid, das ständige Vergleichen und anderes. Das aber ist ein Thema, das von anderen besser behandelt werden kann.

Meine Ratschläge sind daher folgende. Nutze Social Media bewusst. Sei Dir der Vorteile bewusst – und nutze sie für Dich. Hüte Dich aber vor den Gefahren der Nachteile. Limitierte daher Deine Nutzung. Verlass Dich dabei nicht auf Deine Willenskraft, sie ist schwach und lässt dich irgendwann im Stich.

Ich persönlich habe meine Social-Media-Accounts massiv reduziert. Ich habe keine Social-Media-App auf meinem Smartphone installiert. Ich habe alle E-Mail-Benachrichtigungen deaktiviert. Ich möchte nicht der Sklave eines Servers sein, der mich mit Notifications geißelt. Ich nutze aktuell folgende drei Social-Media-Kanäle:

Instagram: Ich habe einen Instagram-Account, auf dem ich sporadisch Bilder und Stories teile. Ich folge keinen anderen Nutzern. Twitter: Ich folge auf Twitter zahlreichen englischsprachigen Nutzern zu den Themen Unternehmertum, Architektur und Design. Ich selbst twittere sehr selten. **Reddit: ** Auf Reddit folge ich einigen für mich interessanten Subreddits zu den Themen Finanzen, Programmieren. LinkedIn: LinkedIn ist das Netzwerk, das ich am meisten nutze. Für mich ist es der wichtigste professionelle Channel. Hier teile ich Inhalte, mal mehr mal weniger oft.

Vermeide die News

Bei Social Media hört es aber noch nicht auf! Neben GIFs und kurzen Katzenvideos gibt es eine weitere – im Gegensatz zu Social Media vermeintlich »seriöse« – Zeiträuberin: die klassischen News. Haben früher Deine Oma und Opa abends stets brav ihre Tagesschau (oder vergleichbares Sendungen) geschaut, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Du die digitalen Angebote der Nachrichtenmedien nutzt. Da gibt es Apps und Webseiten. Und diese sind hungrig darauf, dass Du sie oft benutzt. Die Wahrheit aber ist folgende: 99 % aller »News« sind redundantes Rauschen, dass Dir keinerlei Mehrwert bietet.

Das mag auf den ersten Blick eine gewagte These sein – aber ich werde sie beweisen. Überleg Dir: Wie oft lädst Du die bekannten News-Seiten (oder Apps, völlig egal) täglich? Wenn Du es, wie ich früher, fünf Mal pro Tag getan hast, hast Du bei jedem Aufruf etwa 3–10 verschiedene kleine News-Häppchen gesehen. Du liest kurz die Überschrift, schaust auf das Bild: Merkel schüttelt Biden die Hand, Trump hat etwas schlimmes auf Twitter verbreitet, die Impfstrategie funktioniert nicht. Du fühlst Dich bestens informiert, klopfst Dir kurz auf die Schulter. Und dann vergisst Du alles wieder!

Bei obiger Annahmen von 5 Aufrufen pro Tag mit jeweils 5 News-Fitzelchen ergeben sich 25 »News« pro Tag. Das sind im Jahr fast 10.000 News (und, im übrigen, ist das eine sehr konservative Schätzung). Aber: Wie viel davon haben wirklich Gewicht? Wie viele davon haben einen direkten Einfluss auf Deinen Alltag, Deine Entscheidungen? An wie viele davon kannst Du Dich überhaupt noch erinnern? Was waren die Top 0,1 % dieser News (10 aus 10.000)? Diese wirklich wichtigen Nachrichten müssten doch direkt mental präsent sein, oder nicht? Sie sind es nicht.

In Wahrheit ist der Konsum von News nichts weiter als eine kleine Dopamin-Droge, die als überaus seriös gilt. News sind unfassbar oberflächig, ohne Tiefe. Sie vermitteln den Eindruck, dass man »im Bilde ist« – dabei geben sie einfach nur basale Informationen wider.

Ich verzichte seit Mai 2018 konsequent auf News. Ich gehe nicht mehr täglich auf die übrigen Verdächtigen (Bild, Spiegel, FAZ, etc.) wo ich mir meine kleine Domamin-Dosis spritze. Ich nutze die verbleibende Zeit vielmehr, um Bücher zu lesen. Bücher vermitteln nachhaltiges und tiefes Wissen – eine Aufgabe, die eine News-Meldung in den seltensten Fällen erfüllen kann. Wenn etwas wirklich wichtiges passiert, bekomme ich es durch meine Mitmenschen mit. Über wichtige Themen wird ohnehin gesprochen.

Es gibt noch zahlreiche weitere Argumente gegen das tägliche News-Doping. Rolf Dobelli, der streitbare Schweizer Bestseller-Autor hat sie in seinem Buch mit dem (missverständlichen) Titel »Die Kunst des digitalen Lebens« zusammengestellt. Das Buch ist ein starker Appell gegen die vermeidlich seriösen News, die wir täglich auf uns hereinplätschern lassen. Bitte versteh mich (und Rolf Dobelli) nicht falsch: Ich bin nicht dafür, dass Du uninformiert durchs Leben gehen sollst – im Gegenteil. Der tägliche Newskonsum aber vermittelt lediglich den Eindruck, dass man die wichtigen Themen mitbekommt. Besser ist es, eigene Recherchen anzustellen, Freunde nach wichtigen Themen zu fragen.

Bitte missachte diesen Ratschlag, wenn der tägliche News-Konsum für Deinen (Arbeits-)Alltag wirklich von Bedeutung ist (in 99 % der Fälle ist er das nicht).

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