6A. Verstehe die Bedeutung Deines Mindsets für Dein Leben
Vergiss niemals: Du bist kein Roboter. Du bist ein menschliches Wesen mit all seinen Unwägbarkeiten und Überraschungen.
Die ökonomischen Modelle des 20. Jahrhunderts basieren auf Vereinfachungen der Realität, auf Modellen, die als grobe Skizzen der Wirklichkeit dienen. Eine dieser Vereinfachungen ist der Begriff des homo oeconomicus, der auf der Idee beruht, dass Menschen immer rational und nicht emotional handeln und über vollständiges Wissen verfügen. Du wirst sicher zustimmen, dass diese Annahmen - mal mehr, mal weniger - weit von der menschlichen Realität entfernt sind. Der Grund dafür ist einfach: Wir Menschen sind eben keine berechenbaren Maschinen und schon gar nicht allwissend.
Jeder Mensch nimmt die Welt durch seine Sinne wahr. Doch das ist erst der Anfang. Im Gehirn werden diese Wahrnehmungen weiterverarbeitet und oft stark durch Gefühle, Erinnerungen und andere Faktoren verzerrt. Wenn wir handeln, dann tun wir dies nicht aus einer Position des allwissenden Beobachters heraus. Stattdessen navigieren wir mit einer (unvollkommenen) Karte der Realität, auf der Emotionen, Erfahrungen und andere Faktoren unseren Weg bestimmen.
Hier tritt nun das Konzept des "Mindsets" auf den Plan. Dein Mindset hat eine bemerkenswerte Macht über deine Wahrnehmung und deine Handlungen. Dein Mindset dient einerseits als Filter für deine Wahrnehmung: Alles, was du durch deine Sinne aufnimmst, wird durch dein Mindset gesiebt und interpretiert. Ein Beispiel: Du siehst eine junge Frau, die aus einem schicken italienischen Sportwagen steigt. Dieses Bild ist zunächst nur eine optische Wahrnehmung, die jedoch durch dein Mindset interpretiert und damit mit Bedeutung aufgeladen wird. Vielleicht denkst du, dass die Frau den Wagen durch reiche Verwandte bekommen hat, oder du bewunderst sie dafür, dass sie sich selbst ein solches Fahrzeug leisten kann. Beide Wahrnehmungen sind Interpretationen, die durch den Filter deines Mindsets entstehen.
Aber dein Mindset beeinflusst nicht nur deine Wahrnehmung, sondern auch dein Handeln. Es bestimmt, wie optimistisch oder pessimistisch du an eine Aufgabe herangehst und welche Ziele du für dich selbst als realistisch erachtest. Dein Mindset hat also eine doppelte Funktion: Es filtert die Außenwelt und gibt den Rahmen für deine Handlungen vor. Und in beiden Rollen spielt es eine entscheidende Rolle.
Stell dir vor, du könntest dein Mindset so verändern, dass du die Welt klarer siehst und mehr Möglichkeiten für dich selbst erkennst. Tatsächlich ist das möglich! Doch wie genau?
Viele Ratgeber zum Thema Persönlichkeitsentwicklung empfehlen, das eigene Mindset zu "ändern" oder zu "erweitern". Doch diese Ratschläge bleiben oft hohl, da sie nicht erklären, wie man das Mindset konkret verändert. Zudem wird in vielen dieser Bücher - insbesondere aus dem amerikanischen Raum - suggeriert, dass ein "gutes Mindset" die einzige Voraussetzung für Erfolg ist. Ein starkes Mindset ist zweifellos wichtig, doch es ist nur ein Puzzlestück neben anderen, wie etwa deine Fähigkeiten, deine Gewohnheiten, dein Wissen und natürlich auch das Glück.
Eine Karte der Realität
Durch Dein Mindset baust Du Dir in Deinem Kopf eine Karte der Realität. Und wie alle Karten entspricht diese nicht exakt dem Gebiet, das sie abbildet – sie ist also fehlerhaft. Das sorgt dafür, dass Du die Welt verzerrt siehst. Diese Verzerrungen sind oft geprägt von ideologischen Wunschvorstellungen oder Dogmatismus. Dein Ziel sollte aber sein, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Dafür musst Du den Filter Deines Mindsets so einstellen, dass Du die Welt so realistisch wie möglich wahrnimmst.
Neben den Einfluss auf die Wahrnehmung wirkt unser Mindset auch als Rahmen für unser Handeln. Unser Mindset setzt uns Grenzen. Und oft – fast immer – sind diese Grenzen enger als die Grenzen der Realität. Wir Menschen sind risikoavers und stellen Vermutungen über die Auswirkungen unser Handlungen an. Das macht Sinn, wenn wir vor dem Säbelzahntiger fliehen müssen. In der westlichen Welt sind die meisten Gefahren allerdings deutlich kleiner. Man spricht dann von first world problems. Also beispielsweise: Welche Socken passen zu meiner Hose? Doch auch bei einfachen Problem sind wir risikoavers. Daher fällt es den meisten Männern zum Beispiel unfassbar schwer, eine attraktive Fraue im Alltag anzusprechen. Auch hier wirkt das Mindset: Es setzt Grenzen, wo oft keine sind. Es gibt einen Spruch aus dem Volksmund, der das ganz pointiert zusammenfasst: Alle sagen, dass es nicht geht, bis einer kam, der das nicht wusste.
Um den Rahmen, den uns das Mindset setzt, zu erweitern, müssen wir neue Dinge ausprobieren. Durch den Feedback-Loop erweitert sich dann das Mindset. Die neuen Erfahrungen, die wir dabei sammeln, nennt man Referenzerfahrungen. Je früher wir diese sammeln. Desto besser. Daher fangen wir damit am besten schon in den 20ern an.
Das Höhlengleichnis
Wie können wir das Mindset durch Referenzerfahrungen erweitern? Dafür müssen wir Platons Höhle verlassen. Schon der alte griechische Philosoph Platon wusste, dass unsere Wahrnehmung unsere Vorstellung dessen, was wir für möglich halten, prägt. Diese Idee ist im bekannten Höhlengleichnis festgehalten.
Stellen wir uns vor, wir leben ein Leben lang in einer Höhle. Wir sind gefesselt und sehen nur die Schatten von Personen, die vor einem Feuer entlang laufen. Außerdem hören wir ihre Stimmen. Sonst aber, sehen wir nichts – kein Tageslicht, keine bunten Farben. Nun, eines Tages, werden uns die Fesseln abgenommen und wir kommen ans Tageslicht. Und dort sehen wir plötzlich bunte Farben, können die Struktur von Baumrinde fühlen, sehen Reflexionen auf dem Wasser. Es ist eine ganz andere Welt. Wenn wir nie die Höhle verlassen hätten, hätten wir all dies nicht für möglich gehalten.
Natürlich ist das Höhlengleichnis nur eine Metapher. Aber sie zeigt deutlich, wie es sich anfühlen mag, wenn wir unser Mindset erweitern.
When you grow up you tend to get told the world is the way it is and you're life is just to live your life inside the world. Try not to bash into the walls too much. Try to have a nice family, have fun, save a little money. That's a very limited life. Life can be much broader once you discover one simple fact: Everything around you that you call life was made up by people that were no smarter than you and you can change it, you can influence it, you can build your own things that other people can use. Once you learn that, you'll never be the same again.
— Steve Jobs
Um unser Mindset zu erweitern, müssen wir aktiv werden. Nur so können wir den Feedback-Loop aktivieren, der das Mindset vergrößert. Steve Jobs hat einmal gesagt, dass alles um uns herum von Menschen erbaut wurde, die nicht viel schlauer waren als wir selbst. Dieses Zitat sollten wir uns zu Herzen nehmen: Wir sind zu mehr imstande, als wir aktuell für möglich halten. Wie aber schaffen wir es nun, eine Aufwärtsspirale in Gang zu setzen, die unser Mindset wachsen lässt?
Wir glauben, dass es der Wirkmechanismus wie folgt funktioniert. Das Mindset ist das Resultat von Wahrnehmungen und Handlungen. Durch neue Handlungen erzeugen wir neue Wahrnehmungen und diese Wahrnehmungen und Handlungen beeinflussen dann wieder das Mindset. Das erklärt auch, wie dein aktuelles Mindset zu sehen ist: Es ist das Resultat von deinen bisherigen Erfahrungen und gibt den Rahmen für aktuelle Handlungen vor. Dein Ziel muss nun folgendes sein: Das Mindset durch neue Handlungen erweitern, damit in Zukunft der Rahmen für weitere Handlungen noch größer ist. Wenn du erst spät damit anfängst, sind die Handlungsoptionen in der Zukunft entsprechend kleiner. Daher glauben wir, dass es sehr wichtig ist, in den 20er Jahren mutig zu sein, denn der Hebel ist hier im größten. Und wenn es nicht klappt, verlierst du auch noch nicht so viel.
Die 20er Jahre bieten die ideale Zeit, die Höhle zu verlassen und das bisherige Mindset zu hinterfragen. Durch neue Erfahrungen kannst du dir jetzt ein starkes Mindset aufbauen, von dem du dein ganzes Leben lang profitieren wirst.
Verstehe die Bedeutung Deines Mindsets für Dein Leben!
