Kapitel 7

Verstehe Dich selbst und Deine Mission

Mindset

7. Verstehe Dich selbst und Deine Mission

Gnothi seauton. Erkenne dich selbst!

Diese Weisheit wurde bereits im 5. Jh. v. Chr. an einer Säule der Vorhalle des Apollontempels in Delphi angebracht. Die Aufforderung zur Selbsterkenntnis des Gottes Apollon hat seitdem zahlreiche Philosophen beschäftigt. Über die Jahrhunderte haben sich zwei grundlegende Deutungen entwickelt. Zunächst wurde darin in erster Linie die Begrenztheit und Zerbrechlichkeit des menschlichen Daseins gesehen. Im Gegensatz zu den Göttern ist der Mensch schwach, seine Möglichkeiten begrenzt, sein Charakter unvollkommen. Der Spruch war ein Aufruf des Gottes Apollon zur Demut des Menschen.

Unter Platon nahm die Deutung des Spruches eine andere Wendung. Für ihn bedeutet Selbsterkenntnis, die Grenzen des eigenen Wissens zu erfahren. Die Trennung von Wissen und Unwissen führt zur Einsicht und kann letztendlich zur Vollendung des Charakters beitragen. Diese optimistische Deutung sieht Selbsterkenntnis als bedeutenden Schritt auf dem Weg zu aretḗ, dem griechischen Wort für Tugend. Der Mensch kann sich bessern, indem er seine Tugend kultiviert.

In den Wissenschaften tobt seit Charles Darwin ein Kampf zwischen zwei Lagern: Nature vs. Nurture. Ist der Mensch ein unbeschriebenes Blatt, dass erst durch die Sozialisierung in der Gesellschaft beschrieben wird (nurture) oder bestehen natürliche Veranlagungen, die sich auf Verhalten und Charakter auswirken (nature). Durch Zwillingsstudien ist man zu der Erkenntnis gelangt, dass Persönlichkeit kein rein soziales Konstrukt ist und es erhebliche angeborene Verhaltensmerkmale gibt. Wie genau das Verhältnis aus gelernten und angeborenen Eigenschaften beschaffen ist, ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt – und wird es vielleicht auch nie werden.

Eine ähnliche, wenn auch etwas anders gelagerte Diskussion wird bei den Philosophen geführt. Hier geht es darum, ob man als Mensch über einen freien Willen verfügt, oder wir wir in einer komplett deterministischen, das heißt vorgegebenen, Welt leben. Auch hier gibt es für beide Seiten einleuchtende Argumente.

Die Wahrheit ist dabei folgende: Unabhängig davon, ob Nature oder Nurture stärker sind und ob es den freien Willen nun wirklich gibt, kannst Du Dich in genau diesem Moment fragen, in welche Richtung Du Deinen Lebensweg einschlagen möchtest. Allerdings formst Du diese Entscheidung nicht in irgendeinen Vakuum. Vielmehr muss Deine Mission – Dein roter Pfaden für die Zukunft – im Einklang mit Deiner bisherigen Biografie und natürlich auch Deiner Persönlichkeit stehen.

Menschen sind sich gleichzeitig sehr ähnlich (Arme, Beine, Gefühle) und extrem unterschiedlich (Geschmäcker, Schwächen, Stärken). Physisch betrachtet sind Menschen also eher homogen, soziokulturell betrachtet erscheint jeder Mensch als Individuum.

Finden Deinen echten Norden

Diese Unterschiede führen dazu, dass Deine Persönlichkeit und auch Deine Ziele sich ganz erheblich von denen von anderen Menschen unterscheiden werden. Du musst auf Deine eigene, innere Stimme hören, wenn Du eine Mission formulierst. Dein Umfeld, insbesondere das soziale Umfeld, wird einen erhebliche Einfluss auf Dich auswirken wollen: Deine Eltern haben Vorstellungen für Deine Zukunft – und diese müssen mit Deinen Vorstellungen nicht immer kongruent sein.

Letzten Endes bist Du aber der Kapitän Deines Schiffs, und schwingst als Schmied Deines Schicksals Deinen eigenen Hammer. Du bist die einzige Person, die nachweislich bis an ihr Lebensende mit den eigenen Entscheidungen leben muss. Daraus folgt, dass es von großer Bedeutung ist, Deinen eigenen Leitstern zu finden. Du musst Deinem echten Norden folgen, ganz gleich, was auch sonst man Dir sagen darf. Du selbst kennst Dich am besten. Anders gesagt: Deine Mission muss mit Deiner Persönlichkeit übereinstimmen.

Doch aufgepasst: Das heißt nicht, dass Du nicht auch fremde Perspektiven in Deinen Entscheidungsprozess mit einbeziehen sollest. Das nicht zu tun wäre ein Fehler. Es geht vielmehr darum, am Ende die Entscheidung selbst zu treffen – und diese nicht von fremden Forderungen abhängig zu machen.

Die große Frage verbleibt aber: Wie genau könnte den überhaupt eine Mission aussehen? Das schauen wir uns jetzt an.

Alice asked the Cheshire Cat, who was sitting in a tree, "What road do I take?" The cat asked, "Where do you want to go?" "I don't know," Alice answered. "Then," said the cat, "it really doesn't matter, does it?"

— Lewis Carroll, Alice's Adventures in Wonderland

Die Lebensgrundpfeiler: Die Großen Drei

Fragst du dich, was im Leben wirklich zählt, begegnest du unzähligen Antworten und Perspektiven, geprägt durch individuelle Erfahrungen, Kulturen und Philosophien. Doch für mich kristallisieren sich drei universelle Säulen heraus, die ich als tragende Elemente jeder persönlichen Lebensmission betrachte. Diese drei Grundpfeiler bilden das Fundament, auf dem alles andere ruht:

Liebe: Liebe ist möglicherweise die stärkste Kraft, die dich antreibt. du bist ein soziales Wesen, verbunden durch unsichtbare Bande der Gemeinschaft und Zugehörigkeit, kein Einzelgänger wie der Tiger. Liebe zeigt sich in vielen Facetten - in der Familie, in Freundschaften und in intimen Partnerschaften. Die Ressource, die Liebe entstehen lässt und sie stärkt, ist die Zeit. Die Zeit, die du mit den Menschen verbringst, die dir wichtig sind, prägt die Qualität deiner Beziehungen. Gesundheit: Gesundheit ist die Basis für alles, was du tust und anstrebst. Oft wird ihr Wert erst erkannt, wenn sie durch Krankheit oder Alter beeinträchtigt wird. Aber Gesundheit geht über das reine Fehlen von Krankheit hinaus und umfasst körperliches Wohlbefinden, geistige Klarheit und emotionales Gleichgewicht. Die Ressource, die Gesundheit hervorbringt und erhält, ist die Energie. Mit ihr pflegst und stärkst du deinen Körper, deinen Geist und deine Seele. Arbeit: Arbeit, in diesem Kontext, beinhaltet jede Tätigkeit, die dir Sinn und Zweck verleiht. Sie kann sich in deinem Beruf zeigen, in einem intensiven Hobby oder in einer Leidenschaft, die du verfolgst. Arbeit gibt dir die Möglichkeit, deine Fähigkeiten einzusetzen, zu wachsen und etwas in der Welt zu bewegen. Die Ressource der Arbeit ist das Geld. Es ermöglicht dir, dich ganz auf das zu konzentrieren, was dir wirklich wichtig ist, und deine Energie auf das zu lenken, was du als sinnvoll und erfüllend empfindest.

Gesundheit wird oft erst dann zum bewussten Ziel, wenn wir sie nicht haben - in gesunden Zeiten nehmen wir sie oft als gegeben und selbstverständlich hin. Die anderen beiden Pfeiler – Arbeit und Liebe – sind Quellen, aus denen du tiefe Zufriedenheit und Freude schöpfen kannst. Die ganze Welt mit all ihrem Fortschritt, ihrer Vielfalt und ihrer Schönheit existiert, weil Menschen lieben und arbeiten. Denn du, mit deiner unendlichen Kreativität und deinem Streben, wärst nicht das faszinierende, begabte Wesen, das du bist, wenn du nicht bestrebt wärst, Ideen zu erschaffen und umzusetzen.

When you are 80 years old and in a quiet moment of reflection narrating for only yourself the most personal version of your life story, the telling that will be most compact and meaningful will be the series of choices you have made in the end we are our choices. Will inertia be your guide or will you follow your passions? Will you follow dogma or will you be original? Will you choose a life of ease or a life of service and adventure? Will you wilt under criticism or will you follow your convictions? Will you bluff it out when you're wrong or will you apologize? Will you guard your heart against rejection or will you act when you fall in love? Will you play it safe or will you be a little bit swashbuckling? When it's tough, will you give up or will you be relentless? Will you be a cynic or will you be a builder? Will you be clever at the expense of others or will you be kind?

— Jeff Bezos

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