28. Verstehe, wie die Wirtschaft funktioniert: Grundlagen des Wirtschaftssystems
Wie ein Unternehmen arbeitet
Unternehmen sind die Grundlage jedes Marktwirtschaftssystems. Sie stellen Produkte oder Dienstleistungen her und bieten sie auf dem Markt an. Sie schaffen damit Wert, den sie an Kunden liefern. Als Gegenleistung erhalten sie einen bestimmten Preis. Unternehmen behalten einen Teil des generierten Werts, um sich selbst zu finanzieren und weiterhin Wert schaffen zu können. Dieser Prozess ist das Herzstück der Marktwirtschaft.
Unternehmen sind meist juristische Personen
Die meisten Unternehmen sind sogenannte juristische Personen. Das bedeutet, dass sie vor dem Gesetz wie eine Person behandelt werden und damit Rechte und Pflichten haben. Sie können beispielsweise Verträge abschließen oder vor Gericht klagen und verklagt werden. Es gibt verschiedene Rechtsformen, die ein Unternehmen zu einer juristischen Person machen, wie beispielsweise die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder die Aktiengesellschaft (AG). Jede Rechtsform hat spezifische Merkmale und Vorteile.
Unternehmen finanzieren sich mit Fremd- und Eigenkapital
Unternehmen finanzieren sich mit Eigenkapital und/oder Fremdkapital. Eigenkapital wird von den Eigentümern des Unternehmens bereitgestellt. Fremdkapital wird über Kredite, meist in Formen von Anleihen, aufgenommen. Wenn Du Dir eine Aktie kaufst, erwirbst Du damit nicht einfach nur irgendein Stück Papier. Ganz im Gegenteil: Mit dem Besitz einer Aktie gehört Dir auch ein echter Teil des Eigenkapitals des Unternehmens. Als Anteilseigner profitierst Du davon, wenn das Unternehmen gut wirtschaftet. Dann nämlich werden die Anteile des Unternehmens, die Aktien, am Kapitalmarkt höher gehandelt.
Als Anteilseigner hast Du demnach Anspruch auf einen Anteil des Gewinns, den ein Unternehmen erwirtschaftet. Mit dem erwirtschafteten Gewinn kann das Unternehmen zwei Dinge tun. Erstens, es kann den Gewinn an die Eigentümer ausschütten. Dies geschieht in Form einer Dividende. Zweitens, kann das Unternehmen den Gewinn reinvestieren. Du frags Dich vielleicht: Wann sollte das Unternehmen den Gewinn an die Eigentümer ausschütten, wann reinvestieren. Die Antwort ist eigentlich recht einfach.
Wenn das Unternehmen in Projekte investieren kann, die einen hohen Ertrag versprechen, dann sollte das Unternehmen dies tun – und den Gewinn nicht an die Eigentümer ausschütten. Das ist auch im Interesse der Eigentümer. Denn die Rendite ist im Falle einer erfolgreichen Investition größer als bei einer Ausschüttung. Die entscheidende Frage ist: Kann der Eigentümer mit der ausgeschütteten Dividende einen höheren Ertrag erwirtschaften, als es das Unternehmen mit Investitionen zu leisten vermag. Wenn diese Frage mit nein beantwortet wird, dann wird jeder es Eigentümer befürworten, dass das Unternehmen keine Dividende ausschüttet.
Unternehmen, die sehr stark wachsen, sind dafür bekannt, genau dies zu tun: Sie schütten keine Dividende aus, da das Geld in sehr attraktive Projekte investiert werden kann. Ältere Unternehmen aber, die bereit sehr groß sind und keine attraktiven Investitionsmöglichkeiten haben, werden das Geld an die Aktionäre ausschütten.
Als Eigentümer eines Unternehmens wirst Du demnach an allen Gewinnen beteiligt. Falls das Unternehmen den Gewinn als Dividende ausschüttet, bekommst Du bares Geld auf Dein Konto überwiesen. Falls das Unternehmen den Gewinn erfolgreich reinvestiert, steigt der Gewinn des Unternehmens und damit steigt in den allermeisten Fällen auch der Wert des Unternehmens. Du kannst Deinen Anteil nun also für einen höheren Wert verkaufen. Eigentümer eines Unternehmens zu sein ist vor allem dann interessant, wenn das Unternehmen erfolgreich ist. Anders sieht es aus, wenn das Unternehmen zu schlittern anfängt. Dann nämlich werden die Fremdkapitalgeber bevorzugt behandelt. Warum ist das so?
Als Fremdkapitalgeber leiht man einem Unternehmen Geld ohne dafür Anteil an diesem Unternehmen zu bekommen. Als Gegenleistung bekommt man dafür vom Unternehmen festgelegte Zinsen. Wenn das Unternehmen oder der Staat, der eine Anleihe ausgibt, als sehr liquide gelten, sind diese Zinsen meistens niedrig. Handelt es sich dagegen um ein Unternehmen mit geringer Liquidität, wird es nur Geld geliehen bekommen, wenn es dafür im Gegenzug höhere Zinsen zahlt. Diese Zinsen sind als Ausgleich für den Ausfall des Kredits zu verstehen. Als Fremdkapitalgeber profitierst Du nicht davon, wenn ein Unternehmen besonders erfolgreich ist. Schließlich hast Du keine Anteile am Unternehmen und die Zinsen, die Du bekommst, sind vor dem Kredit festgelegt worden. Allerdings wirst Du im Falle einer Krise vor den Anteilseignern bezahlt.
In Wirklichkeit ist das alles natürlich noch komplizierter. Manche Anleihen können vom Unternehmen frühzeitig zurückgezahlt werden (callable bonds). Oder als Fremdkapitalgeber kann man die Anleihe in einen veritablen Anteil konvertieren (convertible bonds). Es besteht auch die Möglichkeit, die Anleihe vor Fälligkeit am sogenannten sekundären Markt zu verkaufen. In Abhängigkeit von der allgemeinen Zinssatzentwicklung ergibt sich hier dann ein andere Wert, als der initiale Wert. Der Fachmann spricht hier von der sogenannten yield curve. Unternehmen und Banken sind bisweilen sehr kreativ, wenn es darum geht, Anleihen exotischster Form aufzulegen. Was also ist die wichtige Botschaft, die Du an dieser Stelle mitnehmen solltest?
Unternehmen sind meistens juristische Personen und können dementsprechend wie Menschen eigenständig Verträge eingehen. Unternehmen finanzieren sich mit Fremd- und Eigenkapital. Als Eigenkapitalgeber erhält Du Anteile am Unternehmen und partizipierst an den Gewinnen. Als Fremdkapitalgeber erhältst Du keine Anteile am Unternehmen und bekommst dafür, dass Du dem Unternehmen Geld leihst, Zinsen. Als Eigenkapitalgeber profitierst Du insbesondere von den Erfolgen des Unternehmens, gehst aber leer aus, wenn das Unternehmen pleite geht. Denn die Fremdkapitalgeber werden zuerst zufrieden gestellt. Als Fremdkapitalgeber partizipierst Du nicht an den Gewinnen des Unternehmens, dem Du Geld bereitstellst. Im Falle einer Krise wirst Du aber vor den Eigentümer ausgezahlt.
Die drei Aufgaben eines Unternehmers
1. Die Umsatzsteigerung – Das Herz des Wachstums
Die erste und wohl aufregendste Aufgabe eines Unternehmers ist die Umsatzsteigerung. Hierbei geht es nicht bloß um Zahlen und Diagramme, sondern um die Erschaffung von Werten, um die Erweckung der Begeisterung in den Herzen der Kunden und um die Verwandlung des Bedürfnisses in echte Nachfrage. Hier wird das Potential der Unternehmung ausgeschöpft, die Grenzen des Möglichen immer wieder neu definiert. Hier liegt die Kunst, Vision in Realität zu verwandeln.
2. Die Kostenreduktion – Die Kunst der Effizienz
Die zweite Aufgabe – die Kostenreduktion – ist eine Frage der Effizienz und Disziplin. Sie ist das Gegengewicht zur Expansion und betrifft die Rationalisierung aller Prozesse. Der Unternehmer hier muss ein Wächter der Ressourcen sein, ständig auf der Suche nach Wegen, die Betriebsabläufe zu optimieren, ohne dabei die Qualität zu beeinträchtigen. Jeder gesparte Cent ist ein Beitrag zum Gewinn und zur Stabilität des Unternehmens.
3. Langfristig 1. und 2. ermöglichen
Offensiv: Strategieentwicklung Defensiv: Juristisch, Buchhaltung
