3. Werde zum Schmied Deines Schicksals
Du musst steigen oder sinken, Du musst herrschen und gewinnen, Oder dienen und verlieren, Leiden oder triumphieren, Amboss oder Hammer sein.
— Johann Wolfgang von Goethe
Die Welt des Schmieds
Unter dem stählernen Himmel der Schmiede, dort, wo Flammen ihre eigene Sonne entfachen und Eisen seine geheimnisvolle Sprache spricht: dort ist die Welt des Schmieds. In diesem Kosmos, in dessen Mitte das Feuer mit wilder Leidenschaft lodert, entsteht aus rohen, unförmigen Brocken reine Kunst. Es ist die Welt, in der der Schmied nicht nur Schmied, sondern auch Künstler und Gestalter seines eigenen Schicksals ist.
Mit jeder Bewegung des Hammers, der rhythmisch, kontinuierlich und in einer eindrucksvollen Symbiose aus Gewalt und Präzision das Eisen formt, erschafft der Schmied ein neues Universum. Funken sprühen wie kleine Sterne im dunklen All, tanzen im wilden Tanz der Transformation und verschwinden wieder in der Tiefe der Schmiede. Doch der Schmied bleibt fokussiert, unberührt vom lodernden Feuerwerk der Schaffenskraft, die in ihm glüht, wie das Feuer der Schmiede
Schweiß rinnt ihm von der Stirn, malt Spuren der Hingabe auf sein von Arbeit gezeichnetem Gesicht – fällt dann tropfend auf das glühende Metall und verdampft in einem Zischen: die Hymne seiner unermüdlichen Anstrengung. Es ist laut, es ist heiß, die Luft vibriert vom unwiderstehlichen Drang der Schöpfung. Doch der Schmied nimmt das kaum wahr. Für ihn zählt nur der Klang des Hammers auf dem Eisen, die Melodie der Transformation, die in der Schmiede ihren Widerhall findet.
Mit unbändiger Kraft und vollem Einsatz widmet er sich seiner Arbeit, gestaltet Tag für Tag, Jahr um Jahr sein Schicksal mit den eigenen Händen. Die Zeit vergeht, die Jahre ziehen vorbei wie Wolken am Himmel, doch er bleibt, er arbeitet, er schafft. Denn das ist seine Mission, das ist sein Schicksal – und er hat es selbst in die Hände genommen. Jeder Schlag des Hammers ist ein Vers auf dem Gedicht seines Lebens, jede Funkenexplosion ein Kapitel in der Saga seiner Existenz. Und so bleibt er – der Schmied – der Meister des Eisens und der Flammen, beständig in seinem Tun, unerbittlich in seiner Kunst, unaufhaltsam auf seinem Weg.
Werde auch Du zum Schmied
Entweder bist du der Hammer oder der Amboss – das ist das Motto, das den Schmied durch seine Arbeit leitet. Mit dieser Weisheit im Herzen erhebt er den Hammer und trifft das glühende Eisen. Seine Welt ist eine von Hitze und Schweiß, von Funken und Stahl, von Kraft und Geduld. Doch in dieser rauen Umgebung blüht der Schmied auf – findet er seine Bestimmung.
Seine Arbeit ist nicht einfach, sein Arbeitsplatz ist weit entfernt von den bequemen Bürostühlen und klimatisierten Räumen, die viele von uns kennen. Aber der Schmied fragt nicht nach Bequemlichkeit. Sein Antrieb ist das Feuer, das in ihm brennt: die Leidenschaft, die ihm Kraft verleiht. Er ist nicht nur ein Arbeiter, sondern ein Künstler, der seine Vision in Stahl formt.
Goethes Worte sind sein Mantra: Steigen oder sinken, herrschen und gewinnen, oder dienen und verlieren, leiden oder triumphieren, Amboss oder Hammer sein. Diese Worte sind nicht nur eine Beschreibung seines Lebens, sie sind eine Herausforderung, eine Aufforderung, sich dem Kampf zu stellen und zu siegen.
Von diesem unermüdlichen Kämpfer können wir viel lernen. Das sind die vier Lektionen des Schmieds:
Schmiede das Eisen, solange es heiß ist: Zögere nicht, handle im Hier und Jetzt. Entfache aus einem Funken ein Feuer: Beginne jetzt, jeder Fortschritt zählt und Eins ist mehr als Null. Steige als Phönix aus der Asche empor: Verabschiede dich von der Opfermentalität – werde zum Schöpfer deines Schicksals. Forme den Stahl geduldig, Tag für Tag: Arbeite beharrlich und konsistent
Der Schmied zeigt uns, dass wahre Stärke nicht von außen kommt, sondern von innen. Es sind Fleiß, Fokus, Entschlossenheit und Ausdauer, die uns zu dem machen, was wir sein wollen. Es sind diese Eigenschaften, die aus einem gewöhnlichen Menschen einen Schmied machen.
1. Schmiede das Eisen, solange es heiß ist: Handle im Hier und Jetzt
Acta non Verba.
— Lateinisches Sprichwort
Acta non Verba: das ist das Credo des Schmieds. Es sind Taten, die zählen, nicht Worte. In der sengenden Hitze seiner Schmiede gibt es keinen Platz für bloße Worte. Das glühende Metall, das ihm gegenüber liegt, hört nicht auf Versprechungen oder Pläne. Es reagiert nur auf Taten - auf den beständigen Rhythmus des Hammerschlags.
Der Schmied versteht etwas, was viele Menschen vergessen haben: Wahre Veränderung erfolgt durch Handlung, nicht durch Nachdenken oder Diskussion. Wenn das Eisen heiß ist, wartet er nicht, er schmiedet. Er überlegt nicht stundenlang über die genaue Technik oder das endgültige Design. Er setzt den Hammer an und lässt ihn fallen. Er handelt, er macht, er schafft.
Diese Haltung unterscheidet den Schmied vom Theoretiker. Der Schmied plant nicht nur, er setzt seine Pläne in die Tat um. Er lebt nicht in der Welt der Theorien und Ideen, sondern in der Welt des Handelns. Wo andere zögern, handelt er. Wo andere nur sprechen, schafft er. Seine Welt ist die Welt der Tat, des Hammerschlags, des heißen Eisens.
Das ist die Weisheit des Schmieds: Während andere noch überlegen, hat er schon geschmiedet. Während andere noch planen, hat er schon gehandelt. Er versteht, dass die perfekte Gelegenheit niemals kommen wird. Es gibt immer ein Risiko, immer eine Unbekannte. Aber das hält ihn nicht auf. Er nimmt den Hammer in die Hand und schlägt zu. Denn er weiß: Nur im Handeln liegt wahre Macht.
2. Entfache aus einem Funken ein Feuer: Beginne jetzt, jeder Fortschritt zählt und Eins ist mehr als Null.
Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.
— Laotse
Zwischen Schmied und Kapitän gibt es einen Wettstreit: Während der Kapitän große, langfristige Ziele als Leuchtfeuer am Horizont wahrnimmt, handelt der Schmied, solange das Eisen heiß ist – im Hier und Jetzt. Auch Du wirst diesen inneren Konflikt bereits erlebt haben. Auf der einen Seite stehen die großen Ziele – die Vision – und auf der anderen Seite ist es bis dahin ein langer Weg, der irgendwann beginnen muss. Das Handeln im Hier und Jetzt kann im Vergleich mit der großen Vision oft als sehr klein und unwichtig wahrgenommen werden.
Glücklicherweise gibt es eine mentale Hilfestellung, die sich für mich in solchen Situationen als sehr hilfreich erwiesen hat. Sie stammt von Gary Vaynerchuck, einem weißrussischen Einwanderer in die USA, der dort mittlerweile ein Medienimperium aufgebaut hat. Vaynerchuck nennt diese Hilfestellung One Is Greater Than Zero.
Der Ausgangszustand – die leere Seite des Autors, die 0 Follower des angehenden Influencers, die 0 € Umsatz des Unternehmers – erscheinen mit Blick auf die Vision als winzig. Doch: bereits der erste Satz, der erste Follower, der erste Euro an Umsatz ist ein Fortschritt. Und dieser Fortschritt ist der erste Schritt einer langen Reise – hin zur großen Vision. Wenn Du an einem Punkt bist, wo Du glaubst keine Fortschritte zu machen, macht etwas, das größer als Null ist. Es mag noch so klein sein – es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Und viele Schritte in die richtige Richtung – tagein, tagaus – bringen Dich Deinem Ziel näher. Jeder Fortschritt zählt.
Oft liegt große Magie im ersten Schritt: Der erste Satz befeuert die Fantasie des Autors und ein Flow-Zustand entsteht, der erste Follower sorgt mit seinem Kommentar für einen Motivationsschub, der erste Euro Umsatz setzt ungeahnte Potentiale frei. Jetzt heißt es, am Ball bleiben! Und immer wieder, wenn es scheint, als gehe es nicht voran: Es gibt immer die Möglichkeit einen kleinen Fortschritt zu erreichen.
3. Steige als Phönix aus der Asche empor: Lege Deine Opfermentalität ab
When you complain you make yourself a victim. Leave the situation, change the situation or accept it, all else is madness.
— Eckhart Tolle
Viele Menschen möchten in ihrem Leben nur begrenzt Verantwortung übernehmen. Du erkennst sie daran, dass sie externe Faktoren als Hauptursachen für alle persönlichen Misserfolge verantwortlich machen: Der Professor hat in einer Klausur eine wahnsinnig schwierige Aufgabe gestellt, die Personalerin mochte mich nicht und mein Körper ist für Krafttraining einfach nicht geeignet. Es geht dabei gar nicht darum, ob diese Erklärungen richtig oder falsch sind (oft steckt fast immer ein Körnchen Wahrheit darin). Es geht vielmehr um das diesen Erklärungen zugrunde liegende Mindset.
Wer keine Verantwortung übernehmen möchte, sich selbst immer als Opfer der Umstände sieht, wird nie aktiv sein Leben bestimmen können. Goethe spricht in seinem Gedicht, das am Anfang dieses Kapitels steht, davon, ob man Amboss oder Hammer sein möchte. Jeder Mensch muss sich diese Frage in seinem Leben früher oder später stellen – auch Du.
Verantwortung zu übernehmen bedeutet, dass Du selbst aktiv wird, den Hammer schwingt. Dies kann allerdings nur gelingen, wenn Du Dich nicht als Opfer Deiner Umstände, sondern als Schmied Deines Schicksals betrachtest. Aktiv zu werden, Verantwortung zu übernehmen – das ist schwieriger, als sich als Opfer der Umstände zu stehen. Es sorgt aber auch dafür, dass man beginnt, vollumfänglich Kontrolle über das eigene Schicksal zu erlangen.
Viktor Frankl war ein Österreichischer Mediziner Psychologe. Im Jahre 1942 wurde er mit seiner Familie ins Ghetto Theresienstadt deportiert und zwei Jahre später wurde Frankl nach ins Vernichtungslager Ausschwitz transportiert. Frankl überlebte und wurde 1945 von amerikanischen GIs befreit. In seinem Buch … trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager beschreibt er seine Erfahrungen aus dieser dunklen Zeit.
Frankl schreibt, dass sein unbändiger Wille, seine Familie wiederzusehen, zu seinem Überleben beigetragen hat. Obwohl Frankl alle Gründe hatte, das Leben zu verteufeln, legte er keine Opfermentalität an den Tag. Die Hoffnung, seine Familie wieder zu sehen, gab ihm Kraft.
4. Forme den Stahl geduldig, Tag für Tag: Arbeite beharrlich und konsistent
Es ist nicht das Wissen, sondern das Lernen, nicht das Besitzen, sondern das Erwerben, nicht das Dasein, sondern das Hinkommen, was den größten Genuss gewährt.
— Carl Friedrich Gauß
Es ist ein Mantra, das der Schmied lebt: Prozesse, nicht Ergebnisse. Jeder Schlag seiner kräftigen Hände gegen das glühende Metall formt den Charakter des fertigen Produkts, doch es ist der stetige, wiederholte Akt des Schmiedens selbst, der dem Schmied Genugtuung bereitet.
Er versteht, dass das perfekte Schwert, das robuste Werkzeug oder der kunstvolle Schmuck nicht an einem Tag geschaffen wird. Es ist das Resultat von unablässiger, beharrlicher Arbeit, es ist das kontinuierliche Hineingeben von Energie und Konzentration. Sein Fokus liegt nicht nur auf dem finalen Produkt, sondern vor allem auf dem Prozess, der dorthin führt. Er zelebriert jeden Schlag, jede Formänderung des Metalls, jede Minute, die er dem Feuer und dem Stahl widmet.
Die Worte von Carl Friedrich Gauß hallen in seinem Kopf wider: Es geht nicht um das Besitzen, sondern um das Erwerben. Es geht nicht um das Dasein, sondern um das Hinkommen. Wie das Eisen unter seinem Hammer nimmt der Schmied jeden Tag eine neue Form an. Mit jedem Tag, den er an seinem Amboss steht, wächst sein Können, seine Ausdauer und seine Geduld.
Er weiß: Jeder Tag ist ein weiterer Schritt auf seiner unendlichen Reise des Lernens und des Schaffens. Jeder Tag ist eine weitere Möglichkeit, sich selbst zu verbessern, seine Fähigkeiten zu verfeinern und sein Handwerk zu perfektionieren. Und so, Tag für Tag, Schlag für Schlag, formt er nicht nur den Stahl, sondern auch sich selbst.
Werde zum Schmied Deines Schicksals!
