46. Investiere Dein Geld und baue Dir ein Portfolio auf
Investieren vs. Spekulieren Assetklassen Risiko, Rendite und Liquidität Aktiv vs. passiv Der magische Zinseszinseffekt Sparquoten Zusammenfassung
1. Lerne den Unterschied zwischen Investition und Spekulation
Zwischen Investieren und Spekulieren besteht ein fundamentaler Unterschied. Das hat schon Ben Graham, der legendäre Lehrmeister von Warren Buffett gewusst. Glücksspiel ist Spekulation, weil kein intrinsischer Wert dahintersteckt. Wer ein Haus kauft und darauf spekuliert, dass der Preis sich innerhalb kürzester Zeit verdoppeln wird, der ist auch ein Spekulant. Wer aber in ein seriöses Unternehmen investiert, der erhält für sein Investment einen echten Gegenwert.
Lehre: Sei Dir bewusst, ob Du investierst oder spekulierst.
2. Verstehe, welche Assetklassen es gibt
Dein investiertes Geld arbeitet für Dich – egal ob Du schläfst, einen Cocktail schlürfst oder ein Buch liest. Allerdings: Je nachdem, in welche Assetklasse Du es investierst, arbeitet es mehr oder weniger hart.
Als Asset bezeichnen wir alles, was einen Vermögensgegenstand darstellt. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein, physisch unfassbar oder rein virtuell. Wir unterscheiden dabei folgende Assetklassen: Rohstoffe, Immobilien, Währungen, Anleihen und Aktien. Es gibt noch einige mehr, z.B. Derivate und andere exotische Lösungen. Diese sind für uns aber nicht von Interesse.
Ich persönlich habe eine Anlageklasse, die ich allen anderen vorziehe – und die auch Du als primäres Investmentvehikel verwenden solltest. Doch der Reihe nach.
Rohstoffe, das sind Gold, Silber, andere Edelmetalle aber auch Schweinebäuche oder Holz. Du kennst das sicher von den Siedler von Catan. Rohstoffe lassen sich handeln. Sie variieren im Preis, weil Anfrage und Nachfrage schwanken und die Kosten der Produktion z.B. beim Weizen durch das Wetter beeinflusst werden. Wie mit allen Assetklassen, lässt sich auch mit Rohstoffen Geld verdienen. Allerdings: Rohstoffe an sich arbeiten nicht für Dich. Gold, das Du gekauft hast, liegt erstmal nur rum. Das ist der große Nachteil von Rohstoffen. Als retail Investor (Privatanleger) ist es schwer, mit Rohstoffen Geld zu verdienen. Hier wird aus einem Investment leicht Spekulation. Erwartete Rendite: Schwer abzuschätzen.
Immobilien, das sind Häuser, Wohnungen und Garagen. Immobil sind sie, weil sie sich nicht bewegen lassen. Viele Menschen in Deutschland halten Immobilien, auch als Betongold bekannt, für die ultimative Anlageklasse. Ein Hauskauf ist die einzige vollkommen gesellschaftlich akzeptierte Form von Konsum auf Kredit. Leider vermengen viele Menschen den Immobilienkauf zur Privatnutzung mit einer Investmententscheidung. Gerd Kommer hat in seinem Buch »Kaufen oder Mieten« eindrücklich beschrieben, warum der vermeintlich idiotensichere Hauskauf aus rein finanzmathematischer Sicht meistens nicht ideal ist. Eine Immobilie zur Selbstnutzung, das ist eine Lifestyle-Entscheidung – mehrere Immobilien als Investment, das ist ein Hebelrisiko und ein Klumpenrisiko. Erwartete Rendite: wenige Prozent pro Jahr im langfristigen historischen Mittel.
Währungen, das sind Euros, Dollars oder auch chinesische Renminbi. Wenn Du heute für 10.000 Euro US-Dollar kaufst, dann ist es möglich, dass diese in Zukunft mehr wert sind, als die 10.000 Euro, die Du ursprünglich bezahlt hast. Das hängt von dem zukünftigen Wechselkurs ab. Wie auch bei Rohstoffen ist eine Investition in Fremdwährungen (Devisen) eher Spekulation als Investment. Erwartete Rendite: Schwer abzuschätzen.
Anleihen sind Schuldscheine von Unternehmen oder Staaten. Du leihst dem Unternehmen oder einem Staat Geld und bekommst dafür Zinsen. Für Staaten ist es eine einfache Möglichkeit an Geld zu kommen, für Unternehmen ist eine solche Fremdkapitalfinanzierung aus verschiedenen Gründen interessant. Ob Du Zinsen als jährlichen Kupon oder als Zero-Kupon-Bond zurückbekommst, das interessiert uns an dieser Stelle nicht. Anleihen können ausgesprochen kompliziert sein: callable bonds, convertible bonds und viele weitere Ausgeburten von finanzieller Alchemie. Erwartete Rendite: Früher oft über 5 % pro Jahr, heute bei soliden Anleihen kaum zu erwartende Rendite.
Aktien sind die einzig verbleibende Assetklasse. Aktien sind Anteile von echten Unternehmen. Wenn Du in Aktien investierst, dann arbeitet Dein Geld wirklich für Dich. Während Du bei Währungen und Rohstoffen auf einen guten Zukunftskurs spekulierst, bei Immobilien ein hohes Klumpenrisiko hast und Anleihen kaum mehr Rendite bringen, sind Aktien für Dich, zumindest als langfristiges Investment, die beste Option.
Lehre: Überlege Dir gut, in welche Assetklassen Du investieren möchtest. Mein Ratschlag: Investiere als junger Mensch, je nach Risiko-Appetit mindestens 75 % Deines Vermögens in Aktien. Mit zunehmenden Alter kannst Du diesen Anteil zugunsten von Cashbeständen und risikolose Anleihen reduzieren.
3. Verstehe das Zusammenspiel von Rendite, Risiko und Liquidität
Wer mehr Rendite bekommen möchte, muss auch ein höheres Risiko eingehen. Das ist eine fundamentale Wahrheit, die auch durch angeblich “sichere Investments mit absolut sicherer Rendite von 8% pro Jahr” nicht negiert wird. Umgekehrt gilt diese Beziehung aber nicht immer. Nur weil etwas mehr Risiko hat, liefert es nicht zwangsläufig mehr Rendite. Glücksspiel hat ein hohes Risiko und trotzdem eine schlechte Rendite. Merke dir: Mehr Rendite entsteht immer auf Kosten von höherem Risiko.
Lehre: Je jünger Du bist, desto höher das Risiko, das Du eingehen kannst. Je älter Du wirst, desto eher
4. Verstehe den Unterschied zwischen aktivem und passivem Investieren
Wenn du Geld anlegst, kannst du selbst aktiv tätig werden (oder jemandem Geld geben, damit er es für dich aktiv verwaltet) oder das Geld passiv in sogenannte Index-Fonds investieren. Man nennt dies passiv, weil der Index automatisch gebildet wird. Beim aktiven Anlegen versucht man, durch die Wahl der richtigen Aktien und das richtige Timing, eine besonders gute Entscheidung zu treffen (die den wenigsten konsistent gelingt).
Die Frage, ob man aktiv oder passiv investiert ist eine der großen Fragen, mit denen sich Finance-Professoren rund um die Welt beschäftigen. Die Wahrheit ist folgende: Du, als sogenannter Retail Investor, bist am besten beraten, wenn du dein Geld passiv investierst. Um mit aktivem Investieren erfolgreich zu sein, muss man sich sehr – das heißt sehr – intensiv mit der Materie auseinandersetzen. Und selbst dann bedeutet das nicht, dass man eine Überrendite erzielen kann. Im Schnitt sind aktive Investmentformen nicht erfolgreicher als passives Investieren.
Ja, es gibt Ausnahmen (Warren Buffett und ein paar andere), aber bei den wenigsten der Ausnahmen weiß man vorher, dass diese so erfolgreich sein werden. Daher unser Rat: Um dein Vermögen zu verwalten – investiere das Geld passiv. Niemand wird durch die Rendite, die man beim passiven Investieren erhält, reich. Aber es ist der beste Weg, sein Geld anzulegen. Vergiss Sparbücher, Bausparverträge und alles, was dir dein Bankberater als solide Wertanlage verkauft.
Nimm das Zepter selbst in die Hand und investiere – wie es viele andere Menschen tun – in passive Indexfonds. Wir können nicht im Detail beschreiben, was das genau bedeutet, aber wir haben dir im hinteren Teil dieses Buches die beste Lektüre zu diesem Thema zusammengestellt. Eine Möglichkeit, Geld passiv anzulegen ist beispielsweise ein Investment mit 70% in einen Index, der den MSCI World abbildet und 30% in einen Index, der den MSCI Emerging Markets abbildet. Das ist eine verdammt kluge Investment-Entscheidung, die leider nur sehr wenige treffen.
Ein wichtiger Aspekt noch: Mit Investieren meinen wir an dieser Stelle, das Geld so anzulegen, dass es sich gut entwickelt. Das passive Investieren in Indexfonds bietet hier ein sehr gutes Risiko-Rendite-Profil. Wenn du eine große Startup-Idee hast, dann bietet es sich natürlich an, dein Geld hier ein zu investieren. Nochmal: Durch das Investieren wirst du nicht reicht, legst das Geld aber sinnvoll an. Um wirklich reich zu werden brauchst du entweder ein hohes Einkommen und/oder Anteile an einem Unternehmen. Das ist aber eine ganz andere Frage als die, wie man gespartes Geld am besten anlegt.
Stock Pickung und Market Timing.
Lehre: Investiere in ein breites Index-Portfolio.
5. Verinnerliche die magische Kraft des Zinseszinses
Im ersten Semester des BWL-Studiums lernt man, was es mit der 70er Regel auf sich hat. Die 70er Regel ist eine Faustregel, die besagt, dass sich ein investiertes Vermögen verdoppelt, wenn Rendite mal Jahre 70 ergeben. Wenn ich etwas für 10 Jahre anlege und jedes Jahr 7 % Rendite erhalte, dann wird sich der investierte Betrag – ganz gleich wie hoch er ist – verdoppelt haben. Warum ist das so? Der Zinseszins ist hier im Spiel. Wenn wir dieses Wissen kombinieren mit der Tatsache, dass ein breiter ETF auf einen Markt-Index etwa 7 % Rendite erwirtschaftet, können wir folgende Rechnung anstellen. Nehmen wir an, du investierst 10.000 € im Alter von 20 Jahren in einen ETF, der den MSCI-World-Index abbildet. So sieht dann dein Vermögen aus (vereinfacht nehmen wir an, dass es im Mittel 7% pro Jahr Rendite gibt): Dein Vermögen mit 30: 20.000 € Dein Vermögen mit 40: 40.000 € Dein Vermögen mit 50: 80.000 € Dein Vermögen mit 60: 160.000 € Dein Vermögen mit 70: 320.000 € Du würdest also im Alter von 70 Jahren 320.000 € auf deinen Konto haben. Natürlich wirst du noch Steuern zahlen müssen und die Inflation frisst auch einen gewissen Teil auf. Das ist aber für dieses Beispiel unerheblich. Denn jetzt schauen wir uns die Berechnung mit einer leicht geänderten Ausgangssituation an: Wir fangen jetzt erst mit 30 Jahren an, unsere 10.000 € zu investieren. So sieht dann das Vermögen aus: Dein Vermögen mit 40: 20.000 € Dein Vermögen mit 50: 40.000 € Dein Vermögen mit 60: 80.000 € Dein Vermögen mit 70: 160.000 €
Obwohl du nur 10 Jahre gewartet hast, beträgt dein Vermögen jetzt nur noch 160.000 € im Alter von 70 Jahren. WIe kann das sein? Wer erst spät mit dem Investieren anfängt, verliert die wichtigen Verdopplungen, die der Zinseszins bringt. Deshalb ist es ungemein wichtig, dass man sehr früh mit dem Investieren beginnt.
Lehre: Investiere long und vertraue auf den Zinseszins-Effekt.
6. Erreiche eine hohe Sparquote
Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an. Stell Dir vor Du findest als Berufseinsteiger ein Angebot mit einem überdurchschnittlichen Gehalt von 60.000 Euro brutto pro Jahr. Das sind 5.000 Euro pro Monat und damit befindest Du Dich bereits unter den Top 30% aller Arbeitnehmer in Deutschland.
Als Single in Steuerklasse 1 entspricht dieses Gehalt in etwa 3.000 Euro netto pro Monat. Bei einer Sparrate von 10 % sparst Du also 300 Euro pro Monat, was 3.600 Euro pro Jahr entspricht. Das ist keine bemerkenswerte Summe und es ist leicht vorstellbar, dass man damit keine großen Sprünge machen wird. Bei einer Sparquote von 25 % würdest Du pro Monat bereits 750 Euro sparen, was im Jahr 9.000 Euro entspricht. Das ist bereits eine weitaus bemerkenswertere Summe. Bei 50 % fängt es an, spannend zu werden: 1.500 Euro Ersparnis pro Monat sind 18.000 Euro im Jahr und bei 75 % sprechen wir bereits von 27.000 Euro pro Jahr – eine erhebliche Summe. Wie Du einfach erkennen kannst: Erst ab einer Sparquote von über 10 % werden erhebliche Summen gespart.
Sparquoten: 10%: Das sollte mit einem „normalen“ Job deine Minimum-Sparquote sein. 25%: Das ist eine sehr gute Sparquote. 50%: 75%:
Lehre: Spare mindestens 10 %, besser 25 %, am besten aber 50 % Deines monatlichen Netto-Einkommens
7. Meistere die rationale und die psychologische Dimension des Investieren.
Investieren hat zwei große Komponenten, die gleichermaßen von Bedeutung sind. Die erste und naheliegendste ist die Mathematik. Die zweite, oft unterschätzte, ist die Psychologie.
Schätz Deine Risikofähigkeit ein
Lehre: Nutze eine Strategie, die sowohl die rationale als auch die psychologische Dimension berücksichtigt.
Ein Geldsystem aufbauen. Im Teil über Gewohnheiten haben wir auch geschrieben, dass es sinnvoll ist, sich Systeme aufzubauen. Warum baut man sich Systeme auf: Um Entscheidungen und Abläufe zu automatisieren. Gerade für ein Thema wie Geld – bei dem Rationalität und ein kühler Kopf gefragt sind – ist es umso wichtiger, dass man kluge Entscheidungen trifft. Aus genau diesem Grund ist ein Geldsystem auch eine sehr gute Möglichkeit, den System-Ansatz zu verwenden.
Investieren vs. Spekulieren: Investiere in echte Werte. Assetklassen: Investiere in Unternehmen in Form von Aktien. Risiko, Rendite und Liquidität: Setze in jungen Jahren auf renditenstarke Investments. Aktiv vs. passiv: Investiere passiv und überlass das aktive Investieren anderen. Der magische Zinseszinseffekt: Investiere langfristig. Sparquoten: Erreiche eine Sparquote von mindestens 10%, besser 25%, noch besser 50%.
Bücher: The Psychology of Money, The Simple Path to Wealth, Der Finanzwesir 2.0 - Was Sie über Vermögensaufbau wirklich wissen müssen.
