43. Bau Dir Fuck You Money auf: Die ultimative Ressource für Optionality
Deine drei wichtigsten Ressourcen im Leben sind Gesundheit, Zeit und Geld (VERWEIS). Du weißt: Gesundheit ist nicht alles – aber ohne Gesundheit ist alles nichts! Zeit ist deine Möglichkeit, deine Freiheit zu nutzen. Mehr Zeit bedeutet mehr Handlungsspielraum, mehr Zufriedenheit. Geld ist eine Ressource, die es Dir ermöglicht, Zeit zu kaufen (am Anfang ist es oft umgekehrt: Zeit und Energie werden gegen Geld getauscht).
Neben Deiner Gesundheit (Energie) und der Hoheit über Deine Zeit ist Geld die Ressource, die Dir am meisten Handlungsspielraum und Freiheiten gewährt. Geld hat den Vorteil sehr einfach in andere Ressourcen getauscht werden zu können. Geld ist etwas fantastisches!
In den letzten Jahren ist eine Sichtweise auf Geld populär geworden, die als Fuck-You-Money bezeichnet wird. Ich oute mich als Fan dieser Sichtweise.
Was bedeutet Fuck-You-Money? Mit Fuck-You-Money ist das subjektiv notwendige Vermögen gemeint, ab welchem man – aufgrund des Selbstvertrauens, der Sicherheit und der Freiheit, die dieses Geld bietet – ohne Angst »Fuck You« zu jemanden sagen kann, der einen nervt. Das kann der Chef sein, der mit einer lästigen Aufgabe um die Ecke kommt, aber auch jeder andere. Wenn Du über Fuck-You-Money verfügst, musst Du Dir nicht mehr alles gefallen lassen. Das ist eine große mentale Entlastung, die Deiner geistigen Gesundheit zu Gute kommt. Darüber hinaus kannst Du Dir mit Fuck-You-Money natürlich auch Deine Zeit frei(er) einteilen.
Ab wann Du genügend Fuck-You-Money angehäuft hast, ist nicht objektiv feststellbar. Fuck-You-Money ist eine subjektive Angelegenheit. Stell Dir vor, Du verfügst über 15.000.000 Euro auf Deinen Konto – sonst ist Deine Lebenssituation gleich. Würdest Du Dir jetzt noch alles gefallen lassen? Oder würdest Du in manchen Situationen einfach »Ciao« sagen, und Deinen eigenen Interessen nachgehen? Wie sehe es mit 1.000.000 Euro aus – oder mit 500.000 Euro?
Die Wahrheit ist, dass Du als Mitglied der Mittelschicht sehr fragil bist! Als Obdachloser hast Du nichts mehr zu verlieren: Du kannst ohne weiteres »Fuck You« sagen. Auch als Privatier genießt Du diese Freiheit. Aber als Mitglied der Mittelschicht musst Du Deine soziale Reputation verteidigen und hüten, wie Deinen Augapfel.
Deshalb: Mit Fuck-You-Money vergrößerst Du Deine Freiheit, Deine Optionality, Deine Zufriedenheit. Es gibt drei Möglichkeiten, schneller Fuck-You-Money aufzubauen:
Erhöhe Dein Einkommen. Wenn Du mehr verdienst und gleichviel ausgibst, erhöht sich Deine Sparrate. Damit erreichst Du schneller den Net Worth, der Deinem persönlichen Fuck-You-Money-Ziel entspricht. Der Weg hierhin: Erhöhe Dein Humankapital, mache Karriere, werde Unternehmer. Verringere Deine Ausgaben. Wenn Du Deine monatlichen Ausgaben reduzierst, erhöht sich Deine Sparrate. Damit erreichst Du schneller den Net Worth, der Deinem persönlichen Fuck-You-Money-Ziel entspricht. Der Weg hierhin: Lebe frugaler. Investiere Deine Sparrate klug. Wenn Du Dein Geld nun auch noch investierst, bist Du dem Fuck-You-Money einen guten Schritt näher gekommen. Der Weg hierhin: Investiere Dein Geld in echte Werte – das sind Unternehmen; vergiss Immobilien, Rohstoffe oder alternative Anlageklassen.
Bevor wir in den nächsten drei Ratschlägen diese drei Pfeiler weiter beleuchten werden, schauen wir uns noch einige Aspekte zu Fuck-You-Money an.
Warum 100.000 Euro so wichtig sind
The first $100,000 is a bitch, but you gotta do it. I don't care what you have to do – if it means walking everywhere and not eating anything that wasn't purchased with a coupon, find a way to get your hands on $100,000. After that, you can ease off the gas a little bit.
— Charlie Munger
Egal wie viel Fuck-You-Money Du für Dich persönlich als Ziel gesetzt hast – es gibt eine Wahrheit, die immer gilt. Und die ist folgende: Erreiche so schnell wie möglich ein Net Worth (Netto-Vermögen, also Summe Deiner Assets abzüglich Deiner Schulden) von 100.000 Euro, das im Aktienmarkt investiert ist. Das ist die magische Grenze, die Du so schnell wie möglich erreichen musst!
Idealerweise erreichst Du diesen Wert, bevor Du 30 Jahre alt bist. Selbst wenn Du dann keinen weiteren Cent mehr verdienst, wird sein Dein Vermögen – Dein Fuck-You-Money – prächtig entwickeln. Wenn Du Dein Geld in den Aktienmarkt investierst, kannst Du mit etwa 7 % Rendite pro Jahr rechnen. Das gilt im Mittel: Es gibt auch Jahre, da sinkt der Aktienmarkt, aber danach zieht er wieder kräftig an. Die 7 % im Mittel sind der Durchchnitt der letzten Jahrzehnte. Niemand weiß, ob es diese 7 % auch noch in Zukunft geben wird, aber es kann auch niemand das Gegenteil behaupten.
7 % pro Jahre sind ein besonderer Wert. Durch den Zinszeszins-Effekt bedeutet diese Rendite nämlich, dass sich Dein vermögen alle 10 Jahre verdoppeln wird.
Hast Du also mit 30 Jahren 100.000 Euro im Aktienmarkt investiert, steigt diese Summe folgendermaßen an:
Vermögen mit 40: 200.000 Euro Vermögen mit 50: 400.000 Euro Vermögen mit 60: 800.000 Euro
Ohne weiteres Zutun gehst Du also fast als Millionär in Rente. Du siehst auch, warum es so wichtig ist, die 100.00 Euro so früh wie möglich zu erreichen. Erreichst Du sie nämlich erst mit 40 Jahren, liegt Dein Vermögen mit 60 Jahren nur bei 400.000 Euro. Ab 100.000 Euro nämlich beginnt der Zinseszins seine magische Wirkung zu entfalten. Bereits nach einem Jahr sind – im Mittel – aus den 100.000 Euro 107.000 Euro geworden. Dein Vermögen ist also um ganze 7.000 Euro gestiegen – ganz ohne jegliches Zutun. Am Ende des zweiten Jahres wird es dann bereits bei fast 115.000 Euro liegen; usw.
Der Zinseszins ist zwar mächtig, aber er braucht seine Zeit, um sich zu entfalten. Und natürlich ist es deutlich attraktiver, bereits in jungen Jahren über Fuck-You-Money zu verfügen. Aus genau diesen Grund rät Charlie Munger dazu, wirklich alles mögliche zu tun, um die 100.000 Euro investiert zu haben. Charlie Munger ist eine Legende unter den Investoren. Als Partner von Warren Buffett hat er Berkshire Hathaway aufgebaut und ist damit zum US-Dollar-Milliardär geworden. Es gibt weniger als 3.000 Milliardäre auf der Welt: Es ist also eine kaum fassbare Leistung. Und dennoch: Charlie Munger ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig die Zutat Zeit für den Zinseszins ist; die Hebelwirkung sowieso.
Charlie Mungers Partner Warren Buffett nämlich, verfügt über ein noch viel größeres Vermögen. Es liegt bei bei schieren 100 Milliarden US-Dollar, also um den Faktor 50 höher als das Vermögen von Charlie Munger, der über 2 Milliarden US-Dollar verfügt. Es gibt hierfür zwei Gründe, die beide mit den magischen Schwertern und den Konzepten vom Hebel und Zinseszins zu tun haben.
Erstens kam Charlie Munger erst nach Warren Buffett zu Berkshire Hathaway – der Zinseszins konnte also nicht so lange wirken. Zweitens, und noch wichtiger, gehören Charlie Munger deutlich weniger Anteile an Berkshire Hathaway (weil er als Nicht-Gründer natürlich nicht so viele Anteile von Warren Buffet bekommen hat). Sein Hebel ist also deutlich kleiner als der von Warren Buffett. Das soll in keinem Falle die Leistung von Charlie Munger schmälern, zeigt Dir aber, wie wichtig es ist, die beiden Schwerter Vectis und Fenus so früh wie möglich zu nutzen.
Financial Independence, Early Retirement (FIRE) und Frugalismus
In den USA entwickelte sich in den frühen 2000er Jahren eine Gemeinschaft, die durch das Internet nur noch weiter gewachsen ist: Die FIRE-Community. FIRE ist eine Abkürzung, die aus zwei Teilen besteht. Die ersten beiden Buchstaben stehen für »financial Independence« – also finanzielle Unabhängigkeit. Die restlichen Buchstaben stehen für »retire early« – also in etwa »Geh’ früh in Rente«. Die beiden Elemente sind mit einandern verwandt, aber nicht zwangsläufig das gleiche.
Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet in etwa, etwas nobler ausgedrückt, das, was auch das Fuck-You-Money beschreibt. Wer finanziell unabhängig ist, kann frühzeitig in Rente gehen – er muss es aber nicht. Finanzielle Unabhängigkeit ist aber fast Voraussetzung für einen frühen Renteneintritt. Deshalb steht FI auch kausal vor dem RE.
Anhänger der FIRE-Community sind für ihre hohen Sparraten bekannt. Nicht selten sparen sie über 75% ihres verfügbaren Nettoeinkommens. Mit einer derart hohen Sparrate ist das Ziel der finanziellen Unabhängigkeit greifbar. Es bedeutet aber auch: Auf sehr viel verzichten! Wer 75 % seines Einkommens sparen möchte, kann nicht wie Gott in Frankreich leben.
Der Lebensstil, der solche hohen Sparraten ermöglicht, wird als Frugalismus bezeichnet. Du siehst: FIRE und Frugalismus hängen sehr nah miteinander zusammen. Anders gesagt: Frugalismus ist das Vehikel, das FIRE ermöglicht.
Wenn Du in Deutschland wohnst, dann gibt es eine sehr schlechte Nachricht: FIRE ist hier, aus verschiedenen Gründen, nur mit großer Anstrengung möglich. Warum ist das so? Deutschland kennzeichnet sich durch ein komplexes Sozialsystem und sehr niedrige Löhne – gerade verglichen mit Ländern wie den USA oder Skandinavien. Aus diesem Grund gibt es für Deutsche auf dem Weg zu FIRE einige Stolpersteine.
Während US-Amerikaner nicht selten ohne weiteres 5.000 US-Dollar pro Monat sparen können – das entspricht 60.000 US-Dollar im Jahr –, ist für viele Deutsche eine vierstellige Sparrate kaum möglich. Ohne vierstellige Sparrate ist FIRE aber kaum erreichbar.
Selbst wenn Du in Deutschland 3.000 Euro netto pro Monat verdienst und davon über 2.000 Euro pro Monat sparst: Du wirst damit nie wirklich reich werden. Und: Erstens müsstest Du erstmal 3.000 Euro pro Monat verdienen (über 80 % der Bevölkerung tun es nicht) und zweitens müsstest Du dann über 66 % Deines Einkommens sparen (auch das schaffen nur verschwindend wenige!).
Während es als US-Amerikaner also auch als Angestellter möglich ist, im Alter von 40 bis 50 Jahren in Rente zu gehen, ist es in Deutschland sehr schwierig.
