Kapitel 40

Verfolge eine finanziell lohnende Karriere

Arbeit

40. Verfolge eine finanziell lohnende Karriere

Häufig hört man den Rat, eine Karriere zu wählen, die einem »Freude bereitet«. Dieser Rat ist jedoch nicht immer hilfreich. Als junger Mensch weißt du oft noch nicht, was dir langfristig Freude bereiten wird. Zudem kann es sein, dass die Aktivitäten, die dir momentan Vergnügen bereiten, möglicherweise keine finanziell tragfähigen Karrierewege sind.

Geld ist ein mächtiger Hebel, um Gutes zu bewirken – sei es für dich selbst, deine Familie oder die Gesellschaft. Denk daran: Geld ist der universelle Austauschmechanismus für fast alle Ressourcen, einschließlich Zeit.

Mein Rat an dich lautet daher: Wähle eine Karriere, die finanziell lohnend ist. Dieser Ratschlag mag nicht für jeden passen, aber die Tatsache, dass du dieses Buch liest, deutet darauf hin, dass er für dich sehr geeignet sein könnte.

Angenommen, dein Ziel – deine Mission – besteht darin, ein gutes, normales Leben für dich und deine Familie zu ermöglichen. Mit einer finanziell lohnenden Karriere ist die Wahrscheinlichkeit höher, dieses Ziel zu erreichen.

Oder vielleicht strebst du nach persönlichem Wohlstand und willst das Beste für dich selbst herausholen. Auch in diesem Fall ist eine finanziell erfolgreiche Karriere vorteilhaft, da sie dir mehr Möglichkeiten eröffnet – denke an deinen Handlungsspielraum, der sich vergrößert, wenn du über mehr Ressourcen verfügst.

Selbst wenn du altruistisch motiviert bist und das Leben anderer positiv beeinflussen möchtest, ist es sinnvoll, eine lukrative Karriere anzustreben. Durch höhere Einkünfte zahlst du mehr Steuern und Sozialabgaben – und diese finanzieren die Schulen, Straßen und den Sozialstaat. Darüber hinaus kannst du dein Geld aktiv dazu nutzen, anderen zu helfen. Der Einfluss, den jemand mit einem beträchtlichen Vermögen wie Bill Gates ausüben kann, ist in der Regel größer als der eines einzelnen Sozialarbeiters. Das ist nicht abwertend gegenüber der Arbeit von Sozialarbeitern gemeint, es ist jedoch eine Tatsache, dass Geld oft als Hebel zur Erreichung von Veränderungen dient.

Im englischsprachigen Raum hat sich die Bewegung des »effektiven Altruismus« entwickelt. Die Anhänger dieser Bewegung sind bestrebt, Gutes zu tun und haben erkannt, dass dies oft am besten mit Geld erreicht werden kann. Einige arbeiten zum Beispiel im Investment Banking und spenden einen bedeutenden Teil ihres Einkommens für wohltätige Zwecke. Vielleicht ist dies auch ein Weg für Dich?

»OK, gutes Gehalt = wichtig – Message verstanden!«, denkst du dir jetzt. Schauen wir uns daher nun konkret die Gehaltsstrukturen in Deutschland in den frühen 2020er Jahren an.

Gehälter in Deutschland

Die Kenntnis dieser Statistiken dir hilft ungemein dabei, einzuschätzen, wie attraktiv ein Gehalt ist. Sie zeigt auch, wie viel geringer das Gehalt in Deutschland ist – im Vergleich zu der Vorstellung von vielen Menschen.

In Deutschland gibt es etwa 40 Millionen Arbeitnehmer, davon sind etwa 35 Millionen Angestellte und 5 Millionen sind Beamte oder selbständig. Das Durchschnittsgehalt (statisch genauer: der Mittelwert der Gehälter) eines Angestellten in Deutschland liegt bei etwa 40.000 bis 50.000 EUR. Je nach Statistik unterscheiden sich die Zahlen – die genaue Zahl ist auch uninteressant. Es geht vielmehr darum zu wissen, dass der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer pro Monat etwa 3.500 bis 4.000 EUR verdient – brutto, das heißt vor allen Steuern und Sozialabgaben.

Der Median liegt sogar etwas darunter: bei etwa 3.000 EUR pro Monat (ebenfalls brutto, versteht sich). Der Median bezeichnet denjenigen Arbeitnehmer, der genau in der Mitte steht. Es gibt also genau so viele Arbeitnehmer, die mehr als der Median verdienen wie solche, die weniger verdienen.

Der Unterschied zwischen Mittelwert und Median ist sehr wichtig!

Stell dir dazu einen Bus mit 11 Menschen vor. 10 Menschen verdienen 3.000 EUR pro Monat, der andere ist Bill Gates, der 100.000.000 EUR pro Monat verdient. Bill Gates erhält, anders als die anderen Arbeitnehmer, kein Gehalt. Sein Vermögen steigt mit dem Aktienkurs von Microsoft (das soll uns an dieser Stelle aber nicht weiter kümmern; wir gehen davon aus, dass dieser Vermögensanstieg das Gehalt von Bill Gates ist). Im Durchschnitt (arithmetisches Mittel) verdient jeder im Bus etwa 9.000.000 EUR. Der Median wäre aber dennoch 3.000 EUR. Fazit: Der Durchschnitt wird von Ausreißern verzerrt – der Median dagegen nicht.

Doch zurück zu den Gehältern und den Durchschnittswerten. Wenn du ein Studium absolvierst, dann steigst du in den meisten Fällen mit einem überdurchschnittlichen Jahresgehalt von etwa 40.000 EUR bis 70.000 EUR ein. Anders gesagt: Die meisten Berufseinsteiger, die studiert haben, verdienen bereits überdurchschnittlich.

Ein Großteil der deutschen Arbeitnehmer bezieht ein Jahresgehalt von etwa 40.000 bis 60.000 EUR. Sobald du mehr als etwa 70.000 EUR pro Jahr verdienst, gehörst du bereits zu den Top 20 % aller Arbeitnehmer! Das ist für viele schwer vorstellbar – aber es ist die Wahrheit. Wenn du in Deutschland mehr als 90.000 EUR verdienst gehörst du zu den Top 5 %. Ab 120.000 bis 150.000 EUR gehörst du zu den Top 1 % aller Arbeitnehmer. Wie du siehst: Nach oben hin wird es sehr eng. Das liegt daran, dass die Gehälter in Deutschland in etwa einer Standardnormalverteilung , also einer Glockenkurve folgen. (Tatsächlich ist das nur eine vereinfachte Annahme, denn in Wahrheit gibt es bei der Verteilungsfunktion vom Gehalt rechts, also bei den hohen Gehältern, fat tails, die es in der Standardnormalverteilung so nicht gibt.) Das Gehalt der meisten Arbeitnehmer ist im Bauch der Glocke – das sind die bereits angesprochenen 40.000 bis 60.000 EUR pro Jahr.

Wie sieht es ganz oben aus? Von allen Arbeitnehmern gibt es in Deutschland nur etwa 80.000, die mehr als 250.000 EUR pro Jahr verdienen. Diese Arbeitnehmer zahlen auf ihr Einkommen, dass über der Schwelle von etwa 275.000 EUR liegt, den sogenannten Reichensteuersatz von 45 %. Insgesamt gibt es in Deutschland nur etwa 20.000 Menschen, die pro Jahr mehr als 1.000.000 EUR verdienen. Je nach Statistik unterscheiden sich diese Zahlen geringfügig. Vielleicht sind es mittlerweile 30.000 Menschen, die mehr als 1.000.000 EUR pro Jahr verdienen. Darum aber geht es nicht. Was zählt ist vielmehr folgende, einfache Botschaft: von über 80 Millionen Menschen in Deutschland gibt es maximal 0,0625 % (unter der Annahme, dass es sogar 50.000 Menschen sind, die mehr als 1.000.000 EUR pro Jahr verdienen), die mehr als 1.000.000 EUR pro Jahr verdienen. Fußballer, Unternehmer, Manager sind also nicht einfach nur Top 1 % was das Gehalt angeht. Sie sind innerhalb dieser Top 1 % sogar in den Top 5 %!

Behalte diese Zahlen im Hinterkopf, wenn wir nun einen Blick auf mögliche Karriere-Optionen werfen.

Die drei Wege bei Berufswahl

Für ambitionierte Menschen wie dich gibt es meiner Meinung nach drei wesentliche Pfade, um durch eine lukrative Karriere ein erfülltes Leben zu führen:

Die ausgewogene Arbeit: Dieser Weg bietet die optimale Work-Life-Balance. Wenn für dich das Leben außerhalb des Jobs genauso wichtig (oder vielleicht sogar wichtiger) ist als deine Arbeit, dann ist dies die richtige Wahl für dich. Der Job dient hier eher als Mittel zum Zweck und nimmt nicht die Hauptrolle in deinem Leben ein. Im Englischen ist dies ein »job«. Die klassische Karriere: Bei diesem Weg steht die Karriere im Vordergrund. Sie bringt soziales Prestige und ein hohes Gehalt mit sich. Die Kehrseite der Medaille: Du wirst wahrscheinlich weniger Freizeit haben. Im Englischen ist dies eine »career«. Die absolute Berufung: Wenn du deine Arbeit als Lebensmission ansiehst, ist dies der richtige Weg für dich. Hier steht nicht so sehr das soziale Prestige oder das Gehalt im Vordergrund, sondern der Impact, den du erzeugst. In vielen - aber nicht allen - Fällen kann diese Art der Karriere mit einem sehr hohen Gehalt einhergehen. Im Englischen ist dies ein »calling«.

Diese drei Pfade dienen als Orientierungshilfe und repräsentieren keine absolute Wahrheit: Es gibt fließende Übergänge zwischen ihnen. Dennoch stellen sie im "big picture" die drei grundlegenden Möglichkeiten dar, die du in Erwägung ziehen kannst. Der erste Pfad lässt die Arbeit als Mittel zum Zweck im Hintergrund, um ein erfülltes Leben zu ermöglichen. Bei der zweiten Option nimmt die Arbeit eine zentrale Rolle ein und bringt als Belohnung soziales Prestige und ein überdurchschnittliches Gehalt. Der dritte Pfad setzt die Arbeit ebenfalls in den Mittelpunkt, definiert ihren Wert jedoch primär über den erzielten Impact.

Allen drei Wegen gemeinsam ist ein überdurchschnittliches Gehalt. Alle drei erfordern ein hohes Maß an Engagement und Intelligenz. Wenn du diese Qualitäten mitbringst, stehen dir alle drei Optionen offen.

1. Die ausgewogene Arbeit

Die erste Option besteht darin, das, was häufig als "guter Job" bezeichnet wird, bei einem großen Unternehmen zu finden. Das könnte eine Sachbearbeiter-Position in einem DAX-30-Unternehmen oder auch eine gut bezahlte Stelle im öffentlichen Dienst sein, zum Beispiel als Lehrer.

Mit dem "guten Job" verdienst du zum Einstieg etwa 50.000 bis 70.000 EUR pro Jahr und wirst im Laufe deiner Karriere bis zu 100.000 EUR pro Jahr verdienen. Dafür arbeitest du 35 bis 40 Stunden pro Woche und deine Verantwortung hält sich in Grenzen.

Du hast neben deiner Arbeit genügend Freizeit und Urlaub, um alleine, mit deiner Familie oder mit Freunden schöne Aktivitäten zu erleben. Du kannst Urlaube machen, dir ein Klavier oder Fahrrad für 5.000 EUR kaufen. Insgesamt führst du ein gutes Leben in der oberen Mittelschicht – in manchen Fällen sogar in der Oberschicht.

Ich glaube, dass dieser Weg für etwa 60 % der Leser dieses Buches der geeignete ist. Der »gute Job« ist dabei keineswegs durchschnittlich: Mit einem Gehalt von 70.000 EUR pro Jahr als Single gehörst du zu den Top 10 % aller Arbeitnehmer in Deutschland. Deine Pension als Lehrer oder anderer Beamter hat einen Barwert von über 1.000.000 EUR. Aber: Richtig reich wirst du auf diesem Weg nicht! Selbst mit einer hohen Sparquote (siehe dazu das nächste Kapitel) ist der Kauf eines gelben oder roten Supersportwagens aus Italien in den meisten Fällen eine finanziell unkluge Entscheidung.

Der Weg des guten Jobs bietet sich an, wenn du überdurchschnittlich intelligent und fleißig (gewissenhaft, insbesondere »industrious«), aber nicht übermäßig ambitioniert bist. In jedem Fall ist es die beste Option, wenn du eine gute Work-Life-Balance anstrebst – also in der Arbeit nicht deine ultimative Erfüllung siehst. Der Fokus deines Lebens bei diesem Weg richtet sich auf die Zeit außerhalb der Arbeit. Wenn dir Freizeit sehr wichtig ist, dann erscheint aus meiner Sicht dieser Weg als der geeignetste. Denn: Mit einem guten Job verdienst du überdurchschnittlich viel, verbringst aber nur 35 bis 40 Stunden auf der Arbeit.

Dir erscheint das zu wenig? Dann ist die klassische Karriere vielleicht der richtige Weg für dich?

2. Die klassische Karriere

Bei der klassischen Karriere sieht der Berufseinstieg ähnlich aus wie beim "guten Job". Der Unterschied liegt langfristig vor allem darin, wie viel Zeit und Energie du für den Job aufwendest. Auch hier steigst du mit einem guten Gehalt ein, das von 50.000 bis 90.000 EUR pro Jahr reicht. In manchen sehr attraktiven Positionen – beispielsweise Trainee-Programme von großen Unternehmen, Stellen als Arzt, Investmentbanker, Unternehmensberater oder auch als Anwalt einer Großkanzlei – kann das Einstiegsgehalt auch bei 100.000+ EUR pro Jahr liegen.

Absolute Voraussetzung für eine klassische Karriere ist fast immer eine Unterordnung des Privatlebens. Die klassische Karriere zeichnet sich durch langfristigen Arbeitseinsatz aus. In Deutschland, anders als beispielsweise in den Vereinigten Staaten, erfordert eine klassische Karriere fast immer Führungsverantwortung. Als Spezialist sind Gehälter über 100.000 EUR pro Jahr in Deutschland sehr selten; als Manager oder Führungskraft dagegen nicht. In den USA hingegen sind Gehälter für Software-Entwickler ohne Führungsverantwortung nicht selten im mittleren sechsstelligen Bereich. Bei führenden amerikanischen Unternehmen – also den Unternehmen, die wie Apple und Amazon unsere moderne Gesellschaft prägen – verdienen diese Spezialisten über 500.000 USD pro Jahr. Bei deutschen Unternehmen ist bei maximal 150.000 EUR pro Jahr die Grenze – und diese wird oft nur in Ausnahmefällen erreicht.

Wenn du also den Weg der klassischen Karriere in Deutschland einschlagen möchtest, musst du dir bewusst sein, dass du hierfür Führungskraft werden musst. Wenn du dir dies – aus welchen Gründen auch immer – entweder nicht zutraust oder zumuten möchtest, dann erscheint einer der beiden anderen Wege sinnvoller.

Die klassische Karriere wird fast immer als Angestellter durchlaufen. Das heißt, dass ein Unternehmen oder der Staat (oder eine öffentliche Einrichtung) dein Arbeitgeber sein werden. Du bist nicht selbständig (siehe hierzu den dritten Weg) und damit weisungsgebunden. Konkret: Egal welches Hierarchielevel du erreichst, es wird immer jemanden geben, der dir Aufträge gibt. Selbst als CEO eines DAX-Unternehmens wird der Aufsichtsrat dir auf die Finger schauen. Wenn du also große Freiheit in deiner Arbeit anstrebst, ist dieser Weg möglicherweise ungeeignet.

Die meisten Menschen, die eine klassische Karriere anstreben, tun dies aufgrund des damit verbundenen Sozialprestiges. Und auch das Gehalt, das nördlich von 100.000 EUR liegt, übt eine große Anziehung aus. Wenn dir diese beiden Aspekte wichtig sind – und das ist völlig legitim – dann könnte eine klassische Karriere der richtige Weg für dich sein. Ich glaube, dass der Weg der klassischen Karriere für etwa 30 % der Leser der richtige Weg ist.

Anders als mit einem "guten Job" kannst du eine klassische Karriere auch als Sprungbrett ins Privatierdasein nutzen. Bei einer konsequenten monatlichen Sparquote von 50 % ist es so möglich, bereits in den Vierzigern mit einem Millionenbetrag in den Ruhestand zu gehen. Doch dazu mehr im nachfolgenden Kapitel.

3. Die absolute Berufung

Die absolute Berufung ist der dritte Weg. Aus meiner Sicht eignet er sich nur für etwa 10 % der Leser dieses Buches. Dieser Weg ist für dich geeignet, wenn für dich deine Arbeit im Vordergrund steht und dies der Fall ist, weil du mit deiner Arbeit einen gesellschaftlichen Impact haben möchtest.

Das klassische Beispiel für eine Berufung ist der Arzt, der Menschenleben retten möchte. Aber auch Künstler, Schriftsteller und Unternehmer sind Beispiele für diesen Weg.

Der Weg der absoluten Berufung geht fast immer damit einher, dass du als Unternehmer und/oder selbständig auftrittst. Als Arzt ist es die eigene Praxis, als Künstler das eigene Atelier und als Unternehmer das eigene Unternehmen. Du kannst einer Berufung nur dann wirklich nachgehen, wenn du selbst am Steuer stehst! Als Angestellter ist dies – mit einigen wenigen Ausnahmen – nur schwer möglich.

Der Weg der Berufung bietet wahrscheinlich die höchste Erfüllung. Zugleich aber ist er der steinigste Weg. Eine eigene Praxis, ein erfolgreiches Buch oder gar ein Unternehmen zu erschaffen ist wahrlich eine Herkulesaufgabe, zugleich eine Heldentat! Gelingt es aber, belohnt dich dieser Weg mit fortwährender Erfüllung, nie endenden Herausforderungen, unerreichter Autonomie und in den meisten Fällen sogar einer fürstlichen finanziellen Entlohnung.

In vielen Fällen offenbart sich der Weg der absoluten Berufung als kleiner Pfad, der vom Weg des »guten Jobs« oder der klassischen Karriere abzweigt. Bereits Anfang 20 einen Masterplan in der Tasche zu haben, der den Weg der absoluten Berufung skizziert, ist eher unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist vielmehr, dass du beim Erkunden der anderen beiden Pfade deine Berufung findest. Wenn du dir einen Talent Stack aufgebaut und wertvolle Meta-Fähigkeiten erlernt hast, erscheint der Weg der Berufung – oft wie aus dem Nichts. Erinnere dich in diesem Zusammenhang auch an die Glücksoberfläche und den Handlungsspielraum aus (VERWEIS). Wenn sich solche Möglichkeiten offenbaren gilt es, diese zur Kurskorrektur zu nutzen. Halte also stets deine Augen offen. Und wenn du bereits in deinen Zwanzigern den Nordstern der Berufung erspähen kannst – umso besser. Überlege dir, welchen Proviant du für diese Reise brauchst. Dann mach dich auf den Weg.

4. Der geheime, vierte Weg

Tatsächlich gibt es noch einen vierten, geheimen Weg, den ich dir bisher verschwiegen habe. Es handelt sich um einen kleinen, kaum sichtbaren Pfad, der nur von wenigen beschritten wird. Einfach gesagt, handelt es dabei um eine Kombination aus dem 1. und 3. Weg. Lass es mich dir erklären.

Stell dir vor, du weißt am Anfang deiner Reise noch nicht genau, welchen Weg du einschlagen sollst. Vielleicht ist eine Karriere attraktiv, aber – das weißt du – sie ist mit vielen Einschränkungen verbunden. Und, ob du eine Berufung findest, scheint auch noch nicht sicher. Die Lösung: Wähle zunächst den Weg des guten Jobs. Er bietet dir ein gutes Gehalt und Freizeit – am wichtigsten aber: Er bietet dir massiven Handlungsspielraum-

Du kannst 40 Stunden ganz normal als Angestellter arbeiten. Dann kannst du an den See gehen und einen Wein trinken oder auf eine Salsa-Party gehen. Du kannst aber auch die abendlichen Stunden nutzen, um an eigenen Projekten zu arbeiten: Projekte, die deiner Berufung entsprechen. Das Beste dabei: du hast keinerlei Druck! Niemand zwingt dich, diesen abendlichen Projekten nachzugehen. Es steht dir vollkommen frei. Hast du einen längeren Arbeitstag, keine Energie oder es lockt der Spieleabend mit Freunden? Kein Problem: mach das.

Das Tolle an dieser Kombination ist der Handlungsspielraum. Du kannst abends noch länger an eigenen Projekten arbeiten – aber du musst nicht. Vielleicht hast du gerade eine ruhige Phase im Beruf, dann kannst du bei den eigenen Projekten das Zepter in die Hand nehmen.

Glücklicherweise ist dieser vierte, geheime Weg in Deutschland in vielen Fällen machbar! Das Einzige, was du dafür tun musst, ist deinen Arbeitgeber darüber zu informieren. Je nach Arbeitgeber gibt es verschiedene Kriterien, die du hierfür erfüllen musst. So darf deine Aktivität nicht im Wettbewerb zu deinem Arbeitgeber stehen. Außerdem sollte – das versteht sich von selbst – deine Arbeitsleistung davon nicht beeinträchtigt werden.

Falls deine Projekte dir einen Ertrag bringen, musst du diesen natürlich versteuern. Je nachdem, welcher Tätigkeit du nachgehst, kannst du dies als Selbständiger oder auch als Kleingewerbetreibender ausführen.

Ich glaube, dass dieser vierte Weg für viele – zumindest für einen Teil der Reise –, eine tolle Alternative ist. Vergiss dabei folgendes nie: Das Leben ist lang, es gibt immer Möglichkeiten, einen anderen Pfad einzuschlagen. In den Zwanzigern aber lohnt es sich – im Sinne des Entdeckers – verschiedene Pfade zu erproben. Bis mindestens in die Mitte deiner Dreißiger kannst du meistens noch ohne Weiteres zu einem anderen Weg wechseln.

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